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Iny Lorentz – Die List der Wanderhure

„Die Nonne riss noch den Mund auf, aber statt eines Schreis kam nur noch ein Röcheln über ihre Lippen. Landolfus drehte den Dolch in der Wunde um, um sicher zu sein, dass sein Opfer starb, und sah zu, wie die Frau zusammensackte und vom Stuhl sank.“ (Iny Lorentz, „Die List der Wanderhure“, S. 8)

Leute, jetzt mal ehrlich: wer mich nur ein bisschen kennt, weiß, dass ich überhaupt nicht der Typ bin, der auf blutige Morde an Nonnen steht. Auch andere Gewalttaten, wie sie im Mittelalter durchaus gängig waren, brauche ich nicht in meiner täglichen Lektüre. Und so ist es wohl auch nicht verwunderlich, dass die Bestseller von Iny Lorentz bisher so ziemlich an mir vorbeigegangen sind.

Die List der Wanderhure

Nun kam es aber, wie es kommen musste. Man drückte mir den neuesten und insgesamt 6. Band aus der Wanderhuren-Reihe in die Hand. Mit einem freundlichen Lächeln und den Worten: „Du schreibst uns doch sicher gern eine Rezension.“ Hmpf, naja, aber ich … natürlich schreibe ich diese Rezension. Und natürlich lese ich den Roman vorher auch. Ganz schön listig, wie sich diese Wanderhure doch noch in mein Bücherregal geschlichen hat. Nun, das Ganze ist drei Tage her. Ich fing an zu lesen, ärgerte mich über all das Blut, das so schnell floss und … konnte nicht mehr aufhören, bis die letzte Seite inhaliert war.

Iny Lorentz weiß, wie es geht

Ich las und las und las. Bis ich auch Seite 682 und das Nachwort beendet hatte. Es ist nämlich so, dass man einfach anerkennen muss: Iny Lorentz weiß, wie das mit dem Schreiben geht. Genauer gesagt Iny Klocke und Elmar Wohlrath. Denn so heißt das Ehepaar, das gemeinsam unter diesem Pseudonym die Buchwelt begeistert. Ob man nun blutige Morde mag oder historische Schauplätze ist dabei eigentlich zweitrangig. Denn eine spannende Geschichte ist eine spannende Geschichte. Und „Die List der Wanderhure“ ist eine spannende Geschichte. Wie ihre Vorgänger vermutlich auch.

Neue zeitliche Abfolge

Zeitlich ordnet Band 6 der Wanderhuren-Reihe sich allerdings nicht hinter den anderen Geschichten rund um Wanderhure Marie und ihre Abenteuer ein, Die List der Wanderhure steht in der Chronologie der Ereignisse viel mehr an Platz 4. Insgesamt sieht das dann also so aus:

1. Die Wanderhure (erschienen 2004)
2. Die Kastellanin (2005)
3. Das Vermächtnis der Wanderhure (2006)
4. Die List der Wanderhure (2014)
5. Die Tochter der Wanderhure (2008)
6. Töchter der Sünde (2011)

Und so ergibt es sich, dass in „Die List der Wanderhure“ Protagonistin Marie zum ersten Mal ein Abenteuer gemeinsam mit ihrem Ehemann Michel erlebt. Die beiden eilen nämlich der Äbtissin eben jenes Klosters zu Hilfe, in dem besagte Nonne ums Leben kommt, und machen sich auf die Suche nach dem heiligen Gral. Oder vielmehr dem, was finstere Gestalten dafür halten.

Mein Fazit

Auch ohne die Vorgänger-Romane zu kennen, hat „Die List der Wanderhure“ mich sofort in ihrem Bann gezogen. Die Geschichte ist spannend erzählt. Die Charaktere wunderbar gezeichnet. Es ist eine große Freude, Frauen zu „begleiten“, die vor Jahrhunderten lebten und doch so modern und stark waren. Besonders gut gefällt mir, dass auch die Fieslinge letztlich immer menschlich rüberkommen. Jeder noch so elende Schurke hat eben auch andere Facetten und das bringt Iny Lorenz sehr anschaulich rüber. Ich kann „Die List der Wanderhure“ also nicht nur Fans ans Herz legen. Wie sich zeigt, ist es nie zu spät, mal einen Iny Lorentz zur Hand zu nehmen. Ich glaube allerdings nicht, dass ich jetzt die anderen Romane der Reihe auch noch lesen werde. Oder vielleicht doch?

Veröffentlicht von

Nic arbeitet seit Anfang der 90er Jahre als Journalistin für diverse große Zeitschriften. Nic mag ihren Job und liebt Geschichten über Menschen aller Art. NicMag gibt diesen Geschichten jetzt auch virtuell Raum. Und bietet somit die Möglichkeit, auch über Hintergründe und Themen zu schreiben, für die im Print nicht immer genug Platz war und ist.

2 Kommentare

  1. Liebe Nicole,
    ich liebe historische Romane und ganz besonders die von Iny Lorentz! Ich kann Dir wirklich ALLE Bücher von diesem Autorenpaar empfehlen … und wenn Du da durch bist, versuch es doch mal mit Rebecca Gablé!!!
    Viele Grüße
    Martina

    Antworten

    • Hahaha, da bist du jetzt aber optimistisch, liebe Martina. Es ist natürlich gut zu wissen, dass es da draußen viele gute historische Romane gibt. Ich denke aber, ich werde sie weiterhin sparsam dosieren. Tendenziell ist es mir da oft zu düster und blutig. Liebe Grüße Nicole

      Antworten

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