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Harald Braun: Scheunenherzen

Es ist ziemlich genau ein Jahr her, dass ich euch hier „Das Gummistiefel Gefühl“ von Harald Braun ans Herz legte. Ein Riesen-Spaß, vor allem, weil der Autor ziemlich genau meinen Humor-Nerv trifft. Harald Braun kann schreiben, da gibt es keine zwei Meinungen und das hat beweist er auch als Journalist schon seit vielen Jahren, sei es für „Allegra“, „Stern“, „die Zeit“ oder „Welt am Sonntag“. Klar, dass ich keine Sekunde zögerte, als mir sein neuestes Buch in die Hände fiel.

Scheunenherzen

Scheunenherzen von Harald Braun

Scheunenherzen von Harald Braun

Eingepackt, nach Hause geschleppt, losgelesen und – wen wundert’s – in einem Rutsch inhaliert. Allerdings muss ich sagen, dass ich mich zeitweise etwas schwer tat. Protagonist Alvy, der in „Das Gummistiefel-Gefühl“ noch Harald hieß und aus dem schicken Hamburg in die schleswig-holsteinische Pampa gezogen war, begrüßt die Leser in „Scheunenherzen“ als dauerbetrunkener Pleitegeier und steht kurz davor, sein Häuschen auf dem Lande zu verlieren. Wie passend, dass sich exakt in dieser Situation ein ehemaliger Journalisten-Kollege der schmierigsten Art mit der Lösung für die finanziellen Probleme Alvys meldet.

Bauer mit Frau sucht?

Problem: Für die rettenden 50 000 Euro muss dieser als Kandidat bei einer Show á la „Bauer sucht Frau“ auftreten. Und das – soviel ist auch Alvy klar – ist nicht im eigentlichen Sinne eine würdevolle Veranstaltung für die angeblich paarungswilligen Teilnehmer. Zumal Alvy ja auch verheiratet ist, und zwar mit der Frau, die er liebt. Auch wenn die Sache mit der Ehe – ebenso wie die finanzielle Geschichte – deutlich besser laufen könnte. An diesem Punkt des Romans gab es nicht nur einen Moment, an dem ich dachte „och nö“, das soll jetzt nicht wirklich die Handlung sein …? Während „Das Gummistiefel-Gefühl“ wohl weitgehend authentisch ist, entschied sich Braun im Folge-Roman zu einer rein fiktiven Geschichte, die eben als amtlicher Klamauk angelegt ist.

Weil er aber nun mal so gediegen formuliert und seine absurden Ideen sich auch in diversen witzigen Szenen niederschlagen, habe ich natürlich doch das ganze Buch gelesen. Und es nicht eine Minute bereut. Ich habe, nach dem ersten Schreck, beim Lesen ziemlich permanent vor mich hingegrinst und ein oder zweimal sogar so laut gelacht, dass ich mich erstmal umgucken musste, ob die Nachbarn mich vielleicht für grenzdebil halten. Mit anderen Worten: Schreibstil und krude Ideen machen die zunächst etwas fragwürdige Handlung locker wieder wett. So gesehen: Klare Leseempfehlung und gute Unterhaltung :)

NicMag

Veröffentlicht von

Nic arbeitet seit Anfang der 90er Jahre als Journalistin für diverse große Zeitschriften. Nic mag ihren Job und liebt Geschichten über Menschen aller Art. NicMag gibt diesen Geschichten jetzt auch virtuell Raum. Und bietet somit die Möglichkeit, auch über Hintergründe und Themen zu schreiben, für die im Print nicht immer genug Platz war und ist.

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