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Von Himmelsdieben und Bernsteinzimmern – Zu Gast bei Peter Prange

Er schrieb Bestseller wie „Das Bernstein-Amulett“, „Die Principessa“, „Himmelsdiebe“ oder zuletzt „Der Kinderpapst“. Seine Bücher verkaufen sich in Millionen-Auflage und wurden in 24 Sprachen übersetzt und verfilmt. Wer nun aber glaubt, dass historische Romane auch in historisch-angehauchtem Ambiente verfasst werden wollen, täuscht. Der Schreibtisch von Peter Prange ist eher schlicht. Barocke Schnörkel oder heilige Inschriften überlässt der Erfolgs-Autor seinen Romanfiguren. Und auch sein Arbeitsalltag ist beinahe schon langweilig alltäglich. „Ich gehe jeden morgen um 9 Uhr in mein Büro,“ erzählt Prange, „weil ich ein wahnsinnig fauler Mensch bin, lasse ich keine Diskussionen mit mir selbst über Motivation oder Inspiration zu. Statt dessen öffne ich das Fenster und hoffe darauf, dass mich die Muse küsst. Manchmal habe ich Glück und sie tut es, meistens nicht. Aber: sie kann nicht behaupten, ich sei nicht dagewesen.“

Die Teetasse aus dem Jugendzimmer

Der Schreibtisch von Peter Prange

Der Schreibtisch von Peter Prange

Egal, ob die Muse den Schriftsteller küsst oder es lässt – er nimmt erst einmal Platz an seinem Schreibtisch. Aufgeräumt ist der zwar nicht. Aber das würde mir dann auch den letzten Glauben an kreative Künstlerseelen nehmen, die vor lauter brillanten Gedanken und Formulierungen natürlich keine Zeit zum Ordnunghalten finden ;) Nein, zumindest was das (überschaubare) Chaos angeht, bestätigt dieser Schriftsteller doch brav die klischeehaften Erwartungen. Doch zurück zur (abwesenden) Muse. Was tut der Herr Prange, wenn sie ihn nicht küsst? Tee aus der Tasse rechts neben seinem Computer trinken? Die Tasse, die vor vielen, vielen Jahren schon in seinem Jugendzimmer stand … Auch. Genauso wie Millionen Sekretärinnen und andere Schreibtischtäter da draußen, liest er aber auch seine emails, öffnet die Post und treibt sich dann bei facebook rum, um die Wartezeit zu überbrücken. Prange: „Ich bin wahnsinnig dankbar für facebook. Da ich sehr gern unter Menschen bin, fällt es mir schwer, 8, 10 oder 12 Stunden allein in meinem Büro zuzubringen. Also nutze ich das soziale Netzwerk wie eine virtuelle Caféteria.“

Die Ideen kommen vor dem Fernseher oder im Freibad

Zweitarbeitsplatz Freibad Tübingen

Zweitarbeitsplatz Freibad Tübingen

Haben wir das also auch. Aber wann schreibt er denn nun an seinen Romanen? Die texten sich doch nicht von selbst zusammen? „Natürlich nicht,“ erklärt er, „eine Erzähleinheit pro Tag schreibe ich immer. Das ist ganz einfach eine Frage der Disziplin. Ich nehme mir nie eine bestimmte Anzahl von Seiten vor oder eine fixe Stundenzahl. Nein, ich rechne in Erzähleinheiten. Was mir dabei sehr hilft, ist am Abend nie alles aufzuschreiben, was man schon im Kopf hat. Ein bisschen davon bewahre ich mir für den nächsten Morgen auf, dann finde ich den Einstieg besser.“ Und: „Das reine Schreiben ist ja auch ein wenig Fleißarbeit. Die besten Ideen kommen mir sowieso nie am Schreibtisch. Sie fallen mir vor dem Fernseher ein oder im Tübinger Freibad, sozusagen meinem zweiten Arbeitsplatz.“

Kreativitäts-Hilfen

Pustefix, Engel, Feder und Jeep – Inspirations-Hilfen im Hause Prange

Pustefix, Engel, Feder und Jeep – Inspirations-Hilfen im Hause Prange

Wissen wir das also auch. Ein bisschen geheimnisvoll bleibt die Sache natürlich, aber das muss ja auch so sein. Sonst könnte sich  wohl jeder hinsetzen und Bestseller schreiben. Es ist sicher besser, dass wir das Schreiben von Romanen Menschen wie Peter Prange überlassen. Inmitten von sogenannten Recherche-Unterlagen, einer Dringlichkeits-Ablage auf dem Fußboden und einer beachtlichen Kollektion vermeintlich-inspirierender Mitbringsel – vom Pustefix (aus Tübingen), über den Brieföffner, den der dicke Kessler ihm zur Erstkommunion schenkte, besagte Teetasse, einer kleinen Engels-Statue als Köder für die Muse und noch einigem mehr. Die gute Nachricht: diese Umgebung hat Peter Prange gerade wieder zu einem neuen Werk getrieben. Am 7. Oktober erscheint „Ich, Maximilian, Kaiser der Welt“. Und der liest sich doch gleich ganz anders, wenn man weiß, wo er entstanden ist. Also flink mal vorbestellen den kommenden Bestseller …

NicMag

Veröffentlicht von

Nic arbeitet seit Anfang der 90er Jahre als Journalistin für diverse große Zeitschriften. Nic mag ihren Job und liebt Geschichten über Menschen aller Art. NicMag gibt diesen Geschichten jetzt auch virtuell Raum. Und bietet somit die Möglichkeit, auch über Hintergründe und Themen zu schreiben, für die im Print nicht immer genug Platz war und ist.

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