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Theater mit Jan – Die 3 Musketiere

Erstens kommt es anders und zweitens als Jan denkt … Wer kennt dieses gute, alte Sprichwort nicht? Sie erinnern sich bestimmt an meinen Kollegen Jan: Der mit dem unfassbar-leckeren New York Cheesecake. Nun, der Mann kann mehr als Zucker, Sahne & Frischkäse verarbeiten. Mit Jan kann man auch richtig gut Theater kriegen, quatsch haben, ach, was rede ich – mit Jan kann man hervorragend ins Theater gehen.Oder ihn einfach allein dorthin schicken und sich auf diesem Wege mal direkt einen weiteren, Top-Gastautoren sichern. Jan hat nämlich sogar mal Theater studiert und bei diversen, professionellen Produktionen mitgewirkt (das behauptet er zumindest). Abgesehen davon geht er ohnehin regelmäßig ins Theater und erzählt dann (Zitat Jan) „kluge oder auch mal weniger kluge Dinge über das, was die Schauspieler da auf der Bühne präsentieren“. Vorausgesetzt, er bekommt die Bühne auch zu Gesicht. Aber das lassen wir ihn einfach mal selbst erzählen:

Theater mit „Die drei Musketiere“ – oder warum das Leben dich bestraft, wenn du zu spät kommst…

Jan kann mehr als Kuchen

Jan kann mehr als Kuchen

Es ist soweit. Ich soll mein Handwerkszeug als Schreiber mit meinem Lieblingsthema Theater vereinen. Doch wie fange ich nur an? Anders gefragt: Wann fängt das Theater für mich an? Vielleicht, wenn ich den Entschluss fasse, mal wieder ins Theater zu gehen? Wenn ich das Plakat einer Aufführung sehe? Oder wenn ich das Ticket kaufe? Vielleicht am Abend, wenn ich mir überlege, was ich anziehe, um unter all den Theater-Intellektuellen wenigstens optisch zu bestehen? Oder vielleicht doch erst, wenn der Vorhang sich hebt und die Schauspieler mich in ihre Bühnenwelt entführen? Die Antwort: Von allem ein bisschen. Nur dass es manchmal gar nicht bis zu diesem Punkt kommt.
Aber von vorn: Ein harmloses Gespräch mit nic, übers Bloggen und meine Begeisterung für das Theater. Kaum habe ich ausgesprochen, dass ich beides gern vereinen würde, da ernennt Nic mich auch schon zum „Junior-Blogger“, organisiert mir noch am selben Tag ein Ticket für das Hamburger Theater-Event dieses Sommers: „Die Drei Musketiere“ im Thalia-Zelt in der Hamburger Hafen-City. Während ich mich noch dezent überfahren fühle, soll ich tatsächlich ran. Dabei wollte ich doch nur schreiben, wenn mir etwas gefällt. Wie soll ich jetzt schon wissen, ob das alles mögenswert sein wird, was da auf mich zukommt?

Wo ist nur dieses Zelt?

Das Thalia-Zelt in der Hafen-City

Das Thalia-Zelt in der Hafen-City

Egal – eine Email verkündet, dass mein Ticket an der Abendkasse bereit liegt und ich spüre echte Vorfreude. Zumal ich in den letzten Wochen ganze drei Mal im Thalia Theater gewesen bin – jedes Mal begeistert! Und dann noch eine Bühnenbearbeitung der „Drei Musketiere“ von Alexandre Dumas, in einem Zirkuszelt. Das verspricht, ein großes Theaterspektakel zu werden. Herrlich!
Ein letzter Blick auf die Internetseite: Doch wo ist die Wegbeschreibung? Wie findet man das Thalia-Zirkuszelt in der Hafencity? Fehlanzeige! (Vielleicht bin ich auch nur zu blöd, den richtigen Link zu finden? Aber sollte eine Internetseite nicht auf so jemanden wie mich vorbereitet sein?). Egal, denke ich mir, es wird ja ausgeschildert sein. Sandtorkai sollte man schon finden. Ich setze mich aufs Rad, und bin kurz nach sieben in der Hafencity, an besagtem Sandtorkai. Doch kein Zelt weit und breit. Ein Blick aufs Smartphone verrät: Hausnummer 30. Doch da gibt es kein Theater- oder Zirkuszelt. Ein weiterer Blick auf das Display (Google-Maps ist ja wirklich sehr mini, gerade wenn man langsam nervös wird und pausenlos denkt: Ich muss ja noch die Karte abholen). Erst beim dritten Blick merke ich, dass ich gar nicht zum Sandtorkai muss. Das Zelt liegt am Strandkai. Warum beginnen hier eigentlich alle Straßennamen mit s und enden auf -kai? Die Zeit wird langsam knapp.

Dramatische Szenen bei am Kai

Irgendwo in dieser Schlange hat vermutlich jemand Jans Karte …

Irgendwo in dieser Schlange hat vermutlich jemand Jans Karte …

Schließlich stehe ich vor dem Zelt. Ein dramatischer Anblick: Am Himmel türmen sich dunkle Wolken, Caspar David Friedrich hätte es nicht besser arrangieren können. Ein schlechtes Omen? Ich sprinte zum Kassenhäuschen, 19:20 Uhr, noch zehn Minuten bis Vorstellungsbeginn. Das sollte reichen. Vor mir ein älterer Herr, der die letzten freiverkäuflichen Karten ergattert und offensichtlich meint, mit den beiden Damen an der Kasse noch ausgiebig flirten zu müssen. Oh man, ich will endlich meine Karte. Am Zelt bereits lange Menschenschlangen, die langsam darin verschwinden. Endlich – der Graumelierte hat ausgeflirtet.

(dramatische Musik, passend zum Wetter)

Jan: „Ich hätte gern die für mich zurückgelegte Pressekarte.“
Kassendame: „Die haben wir gerade verkauft!“
Jan: „Wie bitte?“
Kassendame (extrem herablassend): „Pressekarten müssen 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn abgeholt werden!“
Jan: „Darüber wurde ich nicht informiert, man hat mir lediglich mitgeteilt, meine Karte läge an der Abendkasse bereit.“
Kassendame (Tonfall gleichbleibend arrogant): „Das ist Blödsinn. Das wird immer eindeutig angesagt.“
Jan: „In meiner Mail stand nur, die Karte liegt an der Abendkasse.“
Kassendame: „Wir sind jetzt ausverkauft, da ist nichts zu machen.“

Kein Vorhang. Keine Musketiere. Nichts Mögenswertes.

Mir bleibt nichts anderes übrig als unverrichteter Dinge und frustriert abzuziehen. Mit anderen Worten: Ich fühlte mich verarscht … Gute Pressearbeit geht anders.

Doch: Die Lust auf Theater lasse ich mir nicht verderben. Mein nächster Versuch heißt: „Green Porno – oder wie ein Weltstar versucht die Fortpflanzung zu erklären.“ Demnächst in diesem Theater …

Anmerkung von nic: Der nette Presse- und Blogger-Betreuer des Thalia-Theaters entschuldigte sich im Anschluss an dieses Spektakel höflichst. Er hatte uns tatsächlich verschwiegen, dass die Karte bis 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn hätte abgeholt werden müssen. Sollte Jan „Die drei Musketiere“ doch noch sehen wollen, solle er sich bitte für einen zweiten Versuch melden. Ob es soweit kommt, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abzusehen. Das Thalia-Theater wird er aber in jedem Fall wieder besuchen, dafür mag er es einfach zu gern 🙂

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Nic arbeitet seit Anfang der 90er Jahre als Journalistin für diverse große Zeitschriften. Nic mag ihren Job und liebt Geschichten über Menschen aller Art. NicMag gibt diesen Geschichten jetzt auch virtuell Raum. Und bietet somit die Möglichkeit, auch über Hintergründe und Themen zu schreiben, für die im Print nicht immer genug Platz war und ist.

3 Kommentare

  1. Herrlich – ich habe ja früher auch mal bei einem Theater im Zelt Company gearbeitet 🙂 Da werden gerade viele Erinnerungen wach 🙂

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  2. Pingback: Danke Welt, danke Bloggen!

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