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Meine neue Freundin die Kettensäge

Wer hier regelmäßig vorbei schaut, weiß, dass ich mich gern Herausforderungen aller Art stelle und, dass mein Garten eine der größten Herausforderungen überhaupt ist. Trotzdem – oder gerade deshalb – widme ich mich diesem Stück Land ja mit wachsender Begeisterung.

Der schlecht-gelaunte Pförtner

Die Baumruine – ebenso nutzlos wie hässlich

Die Baumruine im Vorgarten – ebenso kläglich wie nutzlos

Nachdem ich das Hinterland inzwischen halbwegs unter Kontrolle habe, war es nun an der Zeit, auch mal vor dem Haus für klar Schiff zu sorgen, wie wir Norddeutschen sagen. Neben allerlei Unkraut und undefinierbaren Gewächsen stand hier nämlich seit Monaten eine Art Baumruine. Die ebenso kläglichen wie nutzlosen Überreste einer Konifere, die ich mal in einem Anflug von Arbeitseifer abzusäbeln versucht hatte. Leider war es mir nur partiell gelungen, wie das Lichtbild zeigt. Seitdem stand das Ding mit anklagendem Blick vor dem Haus rum und begrüßte Besucher mit dem Charme eines schlecht-gelaunten Pförtners. Irgendwie anklagend und defitiniv unsexy. Noch am selben Tag gestanden mir meine Nachbarn, dass sie sich schon länger gefragt hatte, was ich mir bei diesem Werk wohl gedacht hatte (aber zu diesen netten Menschen später mehr).

Eine Kettensäge muss her

Gardena Elektro-Motorsäge CST 3519-X

Neue Freundin: die Gardena Elektro-Motorsäge CST 3518

Nun aber war ich seit Tagen im Garten-Arbeitsrausch und wildentschlossen, die Baumruine flott zu machen. Oder besser gesagt: sie kurz zu machen. Da sowas nicht mit der Nagelfeile realisierbar ist, musste eine Kettensäge her. Nun habe ich theoretisch Kontakte zu Menschen mit Kettensäge. Aber eben nur theoretisch. An diesem Samstag-Vormittag fand sich keiner. Wer nic kennt, ahnt es vielleicht schon: zu diesem Zeitpunkt wuchs so langsam der Gedanke daran, mir selbst so ein herrliches Gerät zu besorgen. Zirka 5 Minuten später war ich auf dem Weg zum Baumarkt. Und auch dort fiel mir die Entscheidung nicht schwer. Als eher durchschnittlich-begabte Hand- und Heimwerkerin habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich mit Gardena-Gerätschaften im Garten immer gut bedient bin, wenn ich allein an die Mähroboter zurückdenke, die ich damals testen durfte …

99 Euro kostete meine neue Freundin. Das ist so ziemlich das untere Ende dessen, was man für eine Kettensäge ausgeben kann. Sie ist strombetrieben (es gibt auch welche mit Akku oder Benzin). Für meine Zwecke wird sie aber sicher ausreichen. Und dank ihrer werde ich in Zukunft eine Menge sparen. Geld, das ich in Menschen investiere die mir helfen, und Zeit, die ich sonst mit der Fahndung nach solchen verbracht hätte, die mir unentgeltlich helfen. Klingt toll, ist es auch! Um lossägen zu können, war noch ein bisschen Montage nötig. Alles kein Hexenwerk Kette aufziehen, nachspannen, Öl einfüllen – ein Fläschchen Öl war sogar dabei.

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Auf die Säge, fertig los!

Als ich mich nun endlich auf den Baum, bzw. erste Probe-Sägungen stürzen wollte, kamen mir kurzzeitig noch meine furchtbar netten und sofort extrem-besorgten Nachbarn in die Quere. Es entspann folgender Dialog:

Nachbarn: „Wollen Sie nicht lieber warten, bis unser Sohn gleich da ist, der könnte das für Sie absägen?“
nic: „Aber ich will das doch unbedingt selbst machen, sonst ist es doch gar kein Spaß.“
Nachbarn: „Vielleicht können Sie die Säge gar nicht halten! Können wir Ihnen eine Schnittschutzhose anbieten?“
nic: „Das ist doch eine Baby-Kettensäge, das schaffe ich schon. Ich übe auch erstmal ganz vorsichtig.“
Nachbarn (mit besagter Hose in der Hand): „Hier ist die Schnittschutzhose. Wir halten das Telefon bereit, falls wir einen Arzt rufen müssen.“

Im Folgenden absolvierte ich ein paar Probeschnitte unter den Augen des ebenso netten, wie besorgten Ehepaares. Sie hatten viele, nützliche Tipps für mich. Das ist ja eindeutig der Vorteil bei Menschen, die gewisse Erfahrungen schon vor einem selbst gemacht haben. Und dann … Wrrrrrrooooooooooooommmm

Der Do-it-yourself-Blumen- und Getränke-Tisch

vorlaeufigespodest

Ein Blumen- und Getränke-Tisch entsteht

Was soll ich sagen? Ich war ja schon begeistert davon, eine Heckenschere in Händen zu halten. Meine kleine Kettensäge ist noch toller. „Ich möchte jetzt nur noch sägen“, trifft meine Begeisterung für das Gerät wohl ziemlich genau. Ein oder zwei mal musste ich die Kette noch nachspannen. Ansonsten ist dieses Gefühl, wenn die Säge durch das Holz marschiert, wie mein Frühstücksmesser durch die Butter einfach unglaublich. Ich fühlte mich wie die weibliche Variante von Chuck Norris und sägte alles kurz, was sich dafür noch anbot.

Und wenn sie nicht gestorben ist, dann sägt sie wohl noch heute

Und wenn sie nicht gestorben ist, dann sägt sie wohl noch heute

Für solche Fälle habe ich ja immer ein paar Baumreste rumliegen, die darauf warten, dass jemand sie auf Kamingröße stutzt. (Nur, dass das bisher nie jemand getan hatte) Aber jetzt – ich sägte und sägte und das Grinsen auf meinem Gesicht wurde fetter und fetter. Mehr muss ich wohl nicht sagen, und der Rest ist auch schnell erzählt. Mein Plan war, aus dem ollen Baumrest eine pikfeine Ablage für Blümchen und Getränke zu basteln. Ein Brett, das hier seit geraumer Zeit in der Garage rumgestanden hatte, wurde kurzerhand auch auf die passende Größe gesägt. Zum Glück ist mein kleiner, männlicher Mitbwohner Besitzer einer ausrangierten Werkbank, auf der sich solche Sachen hervorragend umsetzen lassen. Mit Hilfe meines 1A-Akkuschraubers (don’t play, work 😉 ) schraubte ich das Brettchen auf den Baumstumpf. Zum Schutz vor Regen und ähnlichen Widrigkeiten noch ein bisschen Boots-Lack drauf (hat frau von Welt ja immer im Haus) – fertig war das dekorative Werk. Seitdem sitze ich debil grinsend auf der Bank vor meinem Haus und freue mich über das Blumen-Arrangement, meine neue Kettensäge, die Schönheit der Welt und das Leben. Und sollte es mal mit dem Schreiben nicht mehr soooo gut laufen, könnte ich im Nebengewerbe vielleicht launige Gartendienste anbieten. Der Phantasie sind da kaum Grenzen gesetzt. In diesem Sinne: einen kreativen Sonntag allerseits 🙂

pikfeines Blumen- und Getränke-Ablage

pikfeine Blumen- und Getränke-Ablage

blumen

Veröffentlicht von

Nic arbeitet seit Anfang der 90er Jahre als Journalistin für diverse große Zeitschriften. Nic mag ihren Job und liebt Geschichten über Menschen aller Art. NicMag gibt diesen Geschichten jetzt auch virtuell Raum. Und bietet somit die Möglichkeit, auch über Hintergründe und Themen zu schreiben, für die im Print nicht immer genug Platz war und ist.

19 Kommentare

  1. Wir könnten dich hier in der Firma gut gebrauchen mit deiner Säge.
    Gibt immer was zu tun 😉

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  2. Kompliment an dich und deinen Mut im Umgang mit der Kettensäge. Ich schaffe es nicht, mich dem Teil näher als 1 Meter zu nähern. Ist mir zu gefährlich.
    Dafür mach ich aber mein Holz mit Spalter und Spaltaxt.
    LG Micha

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  4. Deine Nachbarin gefällt mir. 🙂 Aber recht hat sie ne Schnittschutzhose ist ein muss. Das versuch ich meinen Vater auch immer zu erklären.
    Viel Erfolg mit deiner Kettensäge.

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    • Oha, ein Schnittschutz-Hosen-Experte hat den Weg zu mir gefunden! Toll 😀 Vielleicht lass ich mir eine zu Weihnachten schenken. Freiwillige vor 😉 Und danke!

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  5. Pingback: Elbeblogger? Elbeblogger!

  6. Yeah hamma … nimmst du Eintritt?, dann würde ich mal vorbei kommen und ne Runde Krach machen. Im Ernst cooler Blog, liest sich auch sehr fluffig, weiter so…

    Grüße aus Berlin

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    • Ja, hömma! Wer zahlt, kriegt ’ne 1A-Privatvorführung von mir an der Kettensäge 😉 Im Duett Kreisen wäre natürlich auch sehr, sehr lässig. Eine Art Kettensägen-Gruppe mit therapeutischem Ansatz. PS. Dankeschön 🙂

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