Nein, ich war heute Abend nicht im Kino und nicht im Theater. Auch wenn das Bild ein vergleichbares, kulturelles Highlight vermuten ließe. Ein viel wichtigeres Ereignis stand an: Der erste Info-Abend an der ersten weiterführenden Schule, die theoretisch zu den Favoriten in unserer Familie gehören würde. Rein theoretisch!

Konzept und Inhalte top!

Also nicht, dass an dieser Schule viel auszusetzen gewesen wäre. Absolut nicht. Konzept und Inhalte auf der ganzen Linie überzeugend, wenn nicht sogar beeindruckend. Auch der referierende Schulleiter strahlte durch und durch Stolz und Begeisterung aus. Wow, cool. Eine spitzenmäßig-moderne Schule, auf der die unterzubringende Künstlerin sicher hervorragend aufgehoben wäre. Grundsätzlich habe ich ja meine Schwierigkeiten mit größeren Menschenansammlungen, insbesondere von hochmotivierten bis dezent überehrgeizigen Eltern. Was zum Beispiel veranlasst Mütter von Drittklässlern, ihren Abend bei einer solchen Veranstaltung zu verbringen, obwohl sie das genauso gut – oder noch viel besser – im nächsten Jahr hinter sich bringen könnten? Zu 100 % sicher bin ich natürlich nicht, aber immerhin scheinen keine Schwangeren zugegen gewesen zu sein, die sich schon mal prenatal mit weiterführenden Schulen beschäftigen wollten …

Scheiß auf die Helikopter-Eltern?

Aber zurück zum Thema. Der geneigte Leser mag jetzt denken: Scheiß auf die Helikopter-Eltern von potentiellen Hochbegabten, freu dich über diese tolle Schule, melde dein Kind an und der Drops ist gelutscht. Weit gefehlt! Genaue Zahlen kommuniziert natürlich niemand, aber klar ist: es gibt an dieser Schule viel mehr Anmeldungen als zu vergebende Plätze. Bösen Gerüchten zufolge bleiben nach der Vergabe an Härtefälle und Geschwisterkinder vielleicht 30 Plätze für 300 potentielle Kandidaten. Vielleicht sind die Zahlen nicht ganz so dramatisch, trotzdem gibt es definitiv keinerlei Garantie darauf, das eigene Kind dort unterbringen zu können. Es ist kein Härtefall, es hat keine älteren Geschwister an dieser Schule. Es kommt also auch einfach nur in diesen Los-Topf, von dem am Ende keiner weiß, wer da rausgefischt wird. Ein Plan B ist also vonnöten. Man kann bei der Anmeldung auch eine zweite und sogar dritte Schule angeben, die im Falle des Falles dann als Alternative herhalten könnte. Nächstes Problem: Die Schulen, die dann als Alternativen interessant wären, möchten gern erste Wahl sein und somit auch vorrangig Kinder aufnehmen, deren sehnlichster Wunsch es ist, genau an dieser Schule unterzukommen.

Ist Taktik alles?

Will sagen: Es geht offensichtlich im großen Stile darum, taktisch klug vorzugehen. Sollte man nämlich an Schule 1 Los-Pech haben und dann Schule 2 sagen: nööööö, wir waren ja nicht dein Favorit, stünde man da und würde ggf. an einer Schule landen, die man selbst (und das Kind auch) nie und nimmer in Betracht gezogen hätte. Können Sie mir folgen? Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich selbst es grad noch kann. Und ich sage es ungern: Aber das war zu meiner Zeit irgendwie einfacher. Anmelden und gut. Es bleibt also noch ein bisschen spannend. Wir werden mindestens noch eine weitere Schule begutachten und dann taktisch-klug überlegen, welche wir zur ersten Wahl machen. Was nicht heißt, dass sie faktisch und tatsächlich erste Wahl gewesen wäre. Alles klar? Macht nichts, mir auch nicht. Trotdzem noch eine famose Nacht. Ein Hoch auf das deutsche Bildungssystem und moderne Schulkonzepte …

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4 Kommentare

  1. Liebe NICMAG,

    das alles kommt mir sehr bekannt vor, auch wenn unser Großer mittlerweile in der 8. Klasse verweilt, scheint die Qual der Schulwahl nachwievor ein verwirrendes Taktikspiel zu sein. Unser „tolles – pädagogisch wertvolles“ Schulsystem gibt uns den Rest… Da haben wir die Gesamtschulen – oder doch Gemeinschaftsschulen – wer weiss den Unterschied schon so genau – an denen dann die Schüler und ehrgeizigen Eltern in den 5. und 6. Klassen wieder zurückversetzt werden in die Grundschulen und sich mit schriftlichen Bewertungen statt nackten Zensuren auseinandersetzen müssen…
    Unser Großer hat sich letztendlich für die gleiche Schule entschieden, die wir als Eltern ebenfalls favorisiert hatten und wir haben es alle glücklicherweise nicht bereut..

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