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Marcel Brell: Auf Umwegen zur Gänsehaut

„Ich lasse alles los, was ich nicht halten kann, und nur, was mir gehört, kommt wieder bei mir an.“ (Marcel Brell, Nur den Augenblick)

Natürlich funktioniert Musik auch ohne Worte. Schon eine Melodie allein kann Emotionen vom Ausmaß eines kleinen Erdbeebens hervorrufen. In Kombinaton mit einem richtig-guten Text potenziert sich das Ganze allerdings problemlos zu einem Gefühls-Tsunami. Gänsehaut, lachen, weinen, Glück, Trauer, Liebe, Erinnerungen, Hoffnung … ich denke, es ist klar, was ich zu sagen versuche. Und schon sind wir beim eigentlichen Thema: Marcel Brell (32) ist nämlich so einer. Einer, der es versteht Melodien und Worte auf genau diese Art zusammenzubringen. Die Songs, die dadurch entstehen, berühren, sie scheinen den direkten Blick in seine Seele freizugeben. Und wenn Musik das kann, dann ist für mich der Augenblick perfekt. Selbst wenn ich dabei unter Tränen an meinen ersten Liebeskummer erinnert werde.

Auf Umwegen zur Gänsehaut

Marcels Solo-Album

Marcels Solo-Album

Soweit dazu, was Marcel und sein aktuelles Album „Alles gut, solang man tut“ können. Dass er einmal so ein Album produzieren würde, hätten aber weder er noch ich gedacht, als wir uns vor ein paar Jahren zum ersten Mal begegnet sind. Im Backstage-Bereich der ZDF-Show „Das große Sommer Open Air mit Marianne und Michael“. Ja, ich schwöre, es war so! Marcel produzierte nämlich lange sehr erfolgreich die Musik von Künstlern aller Art, auch aus dem Schlager-Bereich. Wie es nun aber dazu kam, dass er heute mit seinem ganz eigenen, unverwechselbaren Sound so erfolgreich ist, lassen wir ihn einfach selbst erzählen. Vorher allerdings möchte ich euch meinen Lieblingssong von Marcel ans Herz legen. Ein wunderschönes Duett mit Alin Coen, aber hört und seht selbst:

Marcel Brell & Alin Coen - Wo die Liebe hinfällt

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Das Interview

Nic: Wie entstand deine Liebe zur Musik? Marcel: Ich bin mit Musik aufgewachsen. Mein Vater ist (auch mit 76 immer noch aktiver) Opernsänger, meine Mutter kommt vom Ballett. Ich bin mit Opernmusik groß geworden. Als ich 6 Jahre alt war bekamen meine Geschwister und ich Klavierunterricht. Ich hab recht früh angefangen, eigene Sachen am Klavier zu komponieren.

Wie ging es dann weiter? Abitur, Musikstudium in Münster, Umzug nach Berlin. Dort 10 Jahre als Produzent gearbeitet. Vor 3 Jahren hab ich angefangen meine eigene Musik auf die Bühne zu bringen.

Erzähle mir bitte etwas über deine Tätigkeit als Produzent? Wie kommt man überhaupt auf die Idee, Produzent zu werden? Ich hatte nie vor, Produzent zu werden. Aber ich hab immer davon geträumt ein fettes Studio mit einem fetten Mischpult zu haben. Mit 13 oder 14 hab ich angefangen erste Aufnahmen zu machen und langsam ein Heim-Studio einzurichten. Zuerst war das Mischpult so groß wie ein Schuhkarton. 15 Jahre später hat es dann den ganzen Raum gefüllt und 500 Kilo gewogen. Ich hab für Künster wie David Hasselhoff, Oopmh! US5, Harpe Kerkeling, Alin Coen und zuletzt auch Heino gearbeitet. Gemeinsam mit Christian Geller hab ich Heinos erstes Nr.1 – Album „Mit freundlichen Grüßen“ gemacht.

Du hast ja auch schon bei verschiedenen Projekten als Künstler mitgewirkt …   Im Grunde meines Herzens wollte ich immer selber auf die Bühne, hab mich aber jahrelang nicht getraut, diesem Wunsch nach zu gehen. Außerdem lief es für mich als Produzent so gut, dass ich kaum Zeit hatte, mich um meine eigene Musik zu kümmern. Es gab aber immer wieder Momente, in denen Leute für irgendwelche Pop-Projekte gesucht wurden. Und einige Male hab ich das dann einfach selber gemacht, weil ich darin die Chance sah, den großen Traum von der Bühnen-Karriere an den Start zu bringen. Inhaltlich waren die meisten dieser Projekte aber furchtbarer Mist und ich musste lernen, dass der einfache Wunsch auf der Bühne zu stehen nicht genügt. Ich war wirklich dumm genug zu glauben, man könne als Künstler ohne Inhalte auskommen. Heute bin ich froh, dass all diese Projekte gescheitert sind. Das, was ich dadurch gelernt habe, ist unbezahlbar und diese Odyssee habe ich nun zum großen Teil auf meinem ersten Solo-Album verarbeitet.

Marcel an einem seiner Lieblings-Orte in Berlin

Marcel an einem seiner Lieblings-Orte in Berlin

Die Texte und Songs sind von dir – wie arbeitest du? Wie entsteht so ein Song? In meinen Liedern schreibe ich über tiefe Einsichten und Erkenntnisse, die ich durch all die Umwege gewonnen habe, die ich gegangen bin. Die sogenannte „Inspiration“ kommt schnell und von überall. Da gibt es keinen speziellen Ort oder so. Melodien oder eine Textzeile fliegen mir oft zu. Das eigentlich Ausarbeiten, also daraus ein Lied zu machen, einen kompletten Text zu schreiben: Das ist Schwerstarbeit. Das bekomme ich nur mit Disziplin hin. Ich muss mich morgens an den Schreibtisch setzen und mich zwingen zu schreiben. 95% von dem was ich aufschreibe verwerfe ich wieder. 5% behalte ich und arbeite daran weiter. Gern gehe ich aber auch zum Lesen und Schreiben in mein Lieblings-Restaurant in Berlin-Kreuzberg, das Aki Tatsu in der Bergmannstraße.

Welcher Song liegt dir besonders am Herzen und warum? Einer meiner liebsten Songs auf meinem Album ist „Nur den Augenblick“. Der ist mir einfach wichtig, weil er den zentralen Inhalt dieses Albums – Neuanfang – zum Thema hat. Außerdem habe ich mit einer der tollsten deutschen Künstlerinnen, Alin Coen, ein Duett aufgenommen, „Wo die Liebe hinfällt“. Ich bin sehr glücklich, dass Alin dabei ist, wir schätzen uns künstlerisch und menschlich sehr.

Foto: Jenny Weisgerber

Foto: Jenny Weisgerber

Mein Eindruck ist, dass du als du selbst auf einen richtig großen Erfolg zusteuerst. Wie erklärst du dir das? Das nehme ich als Kompliment und bedanke mich! Die Erklärung ist aus meiner Sicht ganz einfach: Ein Publikum kann man nicht verarschen. Es merkt, ob du da oben auf der Bühne eine Rolle spielt, um irgendwas zu bezwecken, oder ob du wirklich du selber bist und das tust, was dir am Herzen liegt. Also etwas, was du auch machen würdest, wenn keiner zuschaut und applaudiert. Nicht weil du willst, sondern weil du musst. Ich bin glücklich, dass mein erstes Album endlich da ist und dass ich auf Tour bin. Als Musiker ist alleine das schon die Erfüllung eines Traumes. Was mir das alles bedeutet, wird sicherlich klar, wenn man bedenkt, dass ich dafür eine 10 Jahre lang aufgebaute und sehr gut laufende Karriere als Produzent hinter mir gelassen habe.

Kluger Kerl, der Marcel und ein toller Musiker. Mehr Infos über ihn gibt es auf seiner Homepage www.marcelbrell.de und auf seiner facebook-Seite

Wer Marcel live erleben möchte, hat ab 20. September in vielen deutschen Städten die Möglichkeit dazu. Ich sag mal: Hingehen! Alle Termine gibt es unter folgenem Link.

Und natürlich gibt es das Spitzen-Album mit den Gänsehaut-Songs auch zu kaufen, nämlich hier:

NicMag

Veröffentlicht von

Nic arbeitet seit Anfang der 90er Jahre als Journalistin für diverse große Zeitschriften. Nic mag ihren Job und liebt Geschichten über Menschen aller Art. NicMag gibt diesen Geschichten jetzt auch virtuell Raum. Und bietet somit die Möglichkeit, auch über Hintergründe und Themen zu schreiben, für die im Print nicht immer genug Platz war und ist.

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