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Die mobile Tierärztin – Auf Hausbesuch mit Gunda Kopp

Henry ist misstrauisch, sehr misstrauisch. Er hat in seinem kurzen Leben schon schlechte Erfahrungen gemacht. Deshalb weiß er eines ganz genau: Er geht nicht in diese blöde, kleine Kiste mit der Gittertür. Wer weiß, wohin sie ihn damit bringen wollen? Am Ende gar zurück ins Tierheim … 

Was Henry nicht weiß (und es interessiert ihn natürlich auch nicht) ist, dass leider ab- und zu mal eine Impfung nötig ist, damit er auch weiterhin um die Häuser ziehen und Mäuse fangen kann. henrycollageZum Glück gibt es für Typen wie Henry Gunda Kopp (38). Gunda Kopp ist mobile Tierärztin. Seit zweieinhalb Jahren besucht sie ihre Patienten im Hamburger Vorort Ahrensburg dort, wo die sich am Wohlsten fühlen: zu Hause. Was für Tiere wie Henry oder Menschen, die nicht die Zeit haben, in eine Praxis zu fahren, sehr praktisch ist, entstand ursprünglich aus einer Not heraus. „Ich hatte nach dem Studium eine Weile als Vertretungs-Ärztin bei verschiedenen Kollegen gearbeitet. Eine eigene Praxis war in der näheren Umgebung nicht realisierbar und festangestellt in einer Klinik wollte ich nicht arbeiten. Schließlich hatte mein Mann die Idee, dass ich mich als mobile Tierärztin selbständig machen könnte.“

Hellblau, klein, sympathisch

Gunda Kopp mit ihrem Tierarzt-Mobil

Gunda Kopp mit ihrem Tierarzt-Mobil

Eine gute Idee, die Gunda Kopp bald in die Tat umsetzte. Gleichzeitig erfüllte sie sich den Traum von einem ganz besonderen Dienstfahrzeug. Ein Ape-Kleintransporter von Piaggio, wie man ihn aus Italien kennt, ist seitdem ihr Markenzeichen – hellblau, klein und sympathisch. Und über die Kreuzung aus Mofa und LKW wurde auch ich auf sie aufmerksam. Nachdem ich vergeblich versucht hatte, mit Henry zum Impfen in das Tierheim Bad Oldesloe zu fahren, aus dem wir ihn geholt hatten, war Gunda Kopp unsere Rettung. Die ausstehende Impfung wäre zwar in der Schutzgebühr von 80 Euro enthalten gewesen, doch das nützte mir – und vor allem Henry – wenig. Er war zu dem Zeitpunkt erst zehn Tage bei uns und hatte gerade das allernötigste Vertrauen aufgebaut. Transportkorb? Nein, danke!

Hausbesuch der mobilen Tierärztin

Gunda Kopp mit Henrys Impfpass. Die Patienten stören sich nicht an ihrer Anwesenheit

Gunda Kopp mit Henrys Impfpass. Die Patienten stören sich nicht an ihrer Anwesenheit

Ein Hausbesuch von Gunda Kopp schien mir also die verträglichste Lösung für uns alle zu sein. Wir vereinbarten einen Termin und schon am Telefon war sie sehr sympathisch, beantwortete geduldig all meine Fragen. Als der große Tag kam, sorgte ich dafür, dass Henry und seine „Schwester“ Lil‘ Maunz Beatles auch zu Hause waren und ausnahmsweise mal nicht auf der Jagd. Bevor Henry seinen Piks bekommen sollte, verschaffte Gunda Kopp sich erstmal einen Überblick über seinen Impfstatus, legte eine Karteikarte für den neuen Patienten an. Auch Beatles Unterlagen schaute sie an und wir stellten fest, dass sie ebenfalls eine Auffrischungsimpfung benötigte. Die Impfung selbst verlief dann ganz unkompliziert. „Für Katzen wie Henry habe ich einen besonderen Käfig“, hatte Gunda mir schon am Telefon erklärt. „Darin wird das Tier kurz fixiert, ich kann die Impfung durchführen und niemand wird verletzt. Das sieht vielleicht ein bisschen komisch aus, ist aber eine sehr verträgliche Lösung“ Und sie sollte recht behalten. Gekonnt setzte sie Henry in den Käfig und zeigte mir auch gleich noch einmal, wie der Griff in den Nacken funktioniert, den ja auch Katzenmütter bei ihren Jungen anwenden. Er sorgt dafür, dass die Tiere ganz still halten.

Nur ein kurzer Piks

Zu seiner und unserer Sicherheit bekommt Henry die Impfung in einem Spezial-Käfig

Zu seiner und unserer Sicherheit bekommt Henry die Impfung in einem Spezial-Käfig

Natürlich gefiel es Henry im Käfig selbst nicht besonders gut, aber es war nur ein ganz kurzer Moment, Maunz Beatles leistete ihm sogar von außen Gesellschaft, dann durfte er wieder raus. Beatles selbst hielt ich kurz mit besagtem Katzen-Griff fest, dann hatte auch sie die Impfung überstanden. Im Anschluss nahm Gunda Kopp sich noch jede Menge Zeit, um meine Fragen zu beantworten. Vor allem verriet sie mir, dass sie die Entscheidung, mobile Tierärztin zu werden, noch nicht eine Sekunde bereut hat: „Es ist ein großer Vorteil, dass ich die Tiere in ihrem gewohnten Umfeld kennenlernen darf. Dadurch kann ich mir ein gutes Bild davon machen, wie sie leben und auch, wo eventuelle Probleme herrühren. Der Umgang mit den Patienten und ihren Besitzern ist sehr angenehm und oft gibt es auch etwas zu lachen.“ Besonders skurril sind zum Beispiel Situationen, wie sie sie kürzlich bei einem Jäger erlebte, dessen Hund an einer Ohrenentzündung litt. Um den Hund behandeln zu können, bat Gunda Kopp den Jäger um Hilfe und forderte: „Halten Sie bitte mal die Schnauze!“ Eine Situation, über die sich vermutlich beide noch eine ganze Weile amüsieren werden.

Info: Der Preis für Gunda Kopps Leistungen ist nicht höher als bei den meisten, niedergelassenen Tierärzten. Sie nimmt den üblichen 1,5fachen Satz für Behandlungen. Dazu kommt noch eine Fahrtkosten-Pauschale von 2,30 Euro pro gefahrenen Doppelkilometer. Ausführliche Informationen gibt es natürlich auf Gunda Kopps Homepage.

Für Henry und mich hat die mobile Tierärztin nicht nur ein großes Problem gelöst, ich habe auch einiges gelernt und erfahren, das ich bisher nicht gewusst hatte. Zu Gunda Kopps Service gehört neben Impfungen auch Gesundheits- & Altersvorsorge, Blutuntersuchungen, Labordiagnostik, Mikrochip-Implantate, Parasitenbekämpfung, Beratung zu Futter, Übergewicht und Verhaltensproblemen und sogar Ambulante Operationen. Kann sie eine Leistung nicht erbringen, überweist sie selbstverständlich an einen Kollegen mit eigener Praxis. Im Nebenjob arbeitet Gunda Kopp auch noch im Institut für Lebensmittel und Umweltforschung (LEFO) als Beraterin für Nahrungs- und Futter – Ergänzungen und Lebensmittel. Ihr Herz gehört aber vor allem den kleinen und größeren, tierischen Patienten.

NicMag

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Nic arbeitet seit Anfang der 90er Jahre als Journalistin für diverse große Zeitschriften. Nic mag ihren Job und liebt Geschichten über Menschen aller Art. NicMag gibt diesen Geschichten jetzt auch virtuell Raum. Und bietet somit die Möglichkeit, auch über Hintergründe und Themen zu schreiben, für die im Print nicht immer genug Platz war und ist.

7 Kommentare

  1. Avatar

    Mal wieder ein super Artikel. Wir können auch nur in den besten Tönen über unsere Haustierärztin Gunda Kopp berichten. Hat unserer Gina wirklich immer kompetent und schnell geholfen und wenn es Gunda’s Service nicht gegeben hätte, so hätte ich nicht gewußt, wie ich den Hund zum Arzt bringen sollte. Durch ihren Hausbesuch kann sie wirklich viel bewirken. Die Tiere sind in ihrer eigenen Umgebung viel entspannter und auch die Besitzer. Auch auf dem letzten Weg von unserer Gina hat sie uns begleitet. Mit Ruhe und sehr viel Gefühl, hat sie Ginchen und uns, diese traurige Situation erträglich gemacht. Sie hat für uns den Tierbestatter angerufen, der auch noch spät am Abend zu uns nach Hause kam, dank Gunda. Wir sind ihr sehr sehr dankbar,für ihre einfühlsame Hilfe.
    Wie gesagt, sie liebt und lebt ihren Beruf und ist mit Herz und Seele Tierärztin.

    Gratulation zum Familienzuwachs und lieben Gruss von uns.

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    • NicMag

      Was für ein schönes Kompliment. Und jetzt leuchtet mir auch ein, wieso wir ihr Dienst-Autochen zum ersten Mal in der Hamburger Straße wahrgenommen haben. Direkt vor dem Schrauberpoint :) Liebe Grüße zurück

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  2. Avatar

    Ja, auch das kann Thomas reparieren und die Probefahrt hat ihm riesig Spaß gemacht.:-)
    Wie klein Ahrensburg doch manchmal ist…aber schön.
    Wir drei grüßen ganz lieb.

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