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Vodafone und die Super-Wochenend-Flat-Verarsche (1)

vodafone ersatzkarte

Freunde der leichten Unterhaltung und andere zufällig Vorbeigeströmte! Dreieinhalb schöne Jahre war dieser Blog ein Ort von Wohlgefallen und Sonnenschein. Dies ändert sich leider heute. Es ist an der Zeit, mich als Volltrottel zu outen und euch etwas über mein Verhältnis zu Vodafone zu erzählen. Was im Sommer 2015 so hoffnungsfroh begann, entpuppte sich leider als ebenso verwirrend wie fragwürdig und vor allem teuer. Vodafone, genauer: Die Super-Wochenend-Flat-Verarsche haben mich in den letzten Wochen Zeit und auch ein bisschen gute Laune gekostet. Aber von vorn:

Vodafone und ich – wie alles begann

Im Sommer 2015 – ich war seit einigen Jahren Mobilfunk-Kunde bei t-mobile – erschien es mir an der Zeit für eine Veränderung. Ich benötigte ein neues Smartphone und wollte bei der Gelegenheit auch gleich mal den Provider wechseln. Das Preis-Leistungs-Verhältnis meines bestehenden Vertrages erschien mir nicht mehr so ganz optimal, darüber hinaus hatten mir schon so viele Menschen von den irre tollen Angeboten bei Vodafone erzählt, dass mir der Wechsel dorthin sehr verlockend erschien. Alle hatten irgendwie die tollsten Tarife und mindestens ein ipad geschenkt bekommen, also wollte ich auch Teil dieser duften Mobilfunk-Gemeinschaft sein …

Frohen Mutes marschierte ich also in einen Vodafone-Shop in der Hamburger Innenstadt und teilte dem freundlichen Verkäufer meinen Wunsch mit. Erwartungsgemäß zeigte er sich hocherfreut und erläuterte mir die weitere Vorgehensweise, sprich: er holte ein paar Zettel hervor, rechnete vor und zurück und zweimal im Kreis und schon hielt ich Telefon und Unterlagen in der Hand. Konkret:

1 x Vodafone Red 3 GB mit Premium-Smartphone

Das Ganze sollte im ersten Vertragsjahr 48,99 Euro/Monat kosten, im zweiten Jahr 59,99 Euro.

Vodafone Superwochenendflat

Herr W. hat da mal was vorgerechnet

Nee, 45,99 Euro und 58,99 Euro, der junge Mann hatte nochmal gerechnet und war zu neuen Ergebnissen gekommen. All dies dokumentierte er handschriftlich auf den Zetteln, mit denen ich nach Hause marschierte. Soweit so gut, das war jetzt zwar nicht wirklich weniger als ich vorher bei den Kollegen in magenta gezahlt hatte (49,99 Euro/Monat), aber dafür hatte ich jetzt 3 GB mobiles Datenvolumen im Monat statt der mickrigen 750 MB, die vorher vorn und hinten nicht gereicht hatten.

Wozu brauche ich eigentlich eine Super-Wochenend-Flat?

Die Super-Wochenend-Flat

Die Super-Wochenend-Flat

Um es gleich vorweg zu nehmen: Für nichts! Ich brauche keine Super-Wochenend-Flat und vermutlich auch niemand anders auf der Welt. Trotzdem stand (und steht) sie in meinem Vertrag, von Anfang an. Ich erinnere mich noch vage, dass ich mit dem Verkäufer, nennen wir ihn mal Herrn W., darüber irgendwie gesprochen hatte. Ich versuchte zu verstehen, was diese Flat sein könnte. Bei einem Vertrag, der eine SMS-Flatrate, eine Gesprächs-Flatrate in alle Netze und ein Datenvolumen von 3 GB umfasst, ist es doch völlig überflüssig, noch irgendwelche weiteren Flatrates zu vereinbaren. Zumindest für mich als Nutzer.

Wieso ich Herrn W. nicht daran hinderte, diesen Punkt in den Vertrag aufzunehmen, kann ich bis heute nicht so genau sagen. Ich wollte das neue Telefon und ich sah die Zahlen, die er auf die Unterlagen kritzelte, das erschien mir genug. Irgendwie nahm ich wohl an, die Super-Wochenend-Flat würde schon nicht stören in meinem Rundum-Sorglos-Paket. Schön blöd von mir, aber das fand ich erst viel später heraus.

Die seltsamen Rechnungen von Vodafone

Von t-mobile kannte ich viele Jahre sehr klare und verlässliche Rechnungen. Da stand immer genau die Summe, die mal vereinbart worden war, hin- und wieder hatte ich irgendwo kostenpflichtig angerufen, das wurde dann obendrauf geschlagen. Es war auf jeden Fall immer klar nachvollziehbar, wieviel ich aus welchem Grund bezahlen sollte. Anders bei Vodafone. Jede Rechnung sieht anders aus und, wie schon bei Herrn W., wird hier wahnsinnig viel hin- und her- und im Kreis gerechnet. Es gibt eine Startsumme, dann noch ein paar extra Sümmchen, ein paar Rabatte, am Ende ein bisschen Mehrwertsteuer und – tadaaaa – eine Endsumme, die bei fast jeder Rechnung anders aussieht … Irgendwie verwirrend und leider auch häufig ein bisschen teurer als Herr W. das prognostiziert hatte.

Nun habe ich nicht so richtig viel Lust, mich jeden Monat akribisch mit meiner Mobilfunk-Rechnung zu beschäftigen und ich weiß aus sicherer Quelle, dass dies auch vielen anderen Menschen so geht. Trotzdem hatte ich in einem Jahr mehr Kontakt zu Vodafone-Mitarbeitern, als ich das jemals bei anderen Anbietern erlebt hätte und vor allem, als mir lieb war! Da war z. B. der sogenannte Selbständigen-Rabatt, der mir versprochen worden, aber dann nicht gewährt worden war. Ich hätte ja keinen Nachweis über meine Selbständigkeit erbracht (ach was?). Ich reichte den Nachweis brav nach, bekam eine Gutschrift und dachte, nun sei alles fein. Dann allerdings kam die Oktober-Rechnung 2016 und ich war sprachlos.

Die Super-Wochenend-Flat-Verarsche

Besagte Rechnung belief sich auf 178,64 Euro, in Worten: HUNDERTACHTUNDSIEBZIEGVIERUNDSECHSZIG … äh, what? Waren mir die Schwankungen meiner Rechnungen bisher zwar seltsam aber häufig irgendwie undramatisch erschienen, kam ich mit dieser Summe dann irgendwie doch nicht klar. Was war geschehen? Nun, es dauerte eine Weile, bis ich begriff, wie diese Summe zustande kam. Da ich kurz vorher in Schweden gewesen war, nahm ich zunächst an, dass bei der Berechnung des Roamings etwas schiefgelaufen sein könnte. Falsch gedacht. Etwa zwei Mails und drei Telefonate später, war ich schlauer. Die Super-Wochenend-Flat-Verarsche hatte zugeschlagen.

Die gute Nachricht: Endlich, nur 1 Jahr und 2 Monate nach Vertragsabschluss verstand ich, was sich hinter der Super-Wochenend-Flat verbirgt. Die schlechte Nachricht: es handelt sich dabei nicht um irgendeinen Rabatt für das Wochenende, nein, die Super-Wochenend-Flat ist nichts anderes als ein zweiter Vertrag, den ich nie wollte und auch gar nicht brauche und mir war 1 Jahr und 2 Monate lang nicht mal bewusst, dass ich diesen zweiten Vertrag habe und natürlich bezahle … (und ja, es ist mir immer noch extrem peinlich, dass ich so blöd war, mir das unterjubeln zu lassen. Zumal ich noch nicht mal ein Scheiß-ipad dafür bekommen habe ;))

Wieviel Datenvolumen bekomme ich für 84 Euro?

Von Anfang an hatte ich 4,95 Euro im Monat für einen zweiten Vertrag bezahlt, den ich überhaupt nicht nutze … Als wäre das nicht schon schlimm genug, kam nun aber diese Rechnung über 178 Euro dazu, knapp 100 Euro hatte besagte Super-Wochenend-Flat verursacht und ich versuche mal zu erklären, wie es dazu kommen konnte.

In dem hübschen Mäppchen mit Unterlagen, das Herr W. Mir damals überreicht hatte, befanden sich zwei Papphüllen mit SIM-Karten. Auf die eine hatte er Hauptkarte geschrieben, auf die andere Ersatzkarte. „Wie nett!,“ hatte ich damals noch gedacht, wenn mal was passiert, habe ich gleich eine Ersatzkarte. Pustekuchen. Das war natürlich die Super-Wochenend-Flat-Karte. Wäre mir nie aufgefallen, wenn ich nicht dieses alte iphone hier rumliegen hätte, über das ich gern ein bisschen Radio hören wollte.

vodafone ersatzkarte

Ersatzkarte?

Dafür braucht man keinen Vertrag, das geht ganz einfach über das WLAN-Netz. Allerdings muss man das Telefon, wenn man es einmal auf Werkseinstellungen zurücksetzt, wieder aktivieren und zu diesem Zwecke ist es nötig, einmalig eine SIM-Karte hineinzustecken. Völlig egal, wem die gehört, es verursacht auch keine Kosten, ist lediglich für die Aktivierung nötig. Ihr ahnt es schon: Bei meiner Suche nach einer SIM-Karte für die Aktivierung, erinnerte ich mich an die sogenannte Ersatzkarte in meinen Vodafone-Unterlagen. Ha! Wie clever ich mich fand, diese Karte kurz in das Telefon zu stecken, um es zu aktivieren. Die Sache funktionierte auch 1A, ich hörte fortan Radio über das WLAN-Netz und alles schien fein. Hätte ich nicht die Karte im Telefon vergessen …

Kurze Zusammenfassung

Nein, ich habe nicht darüber telefoniert und auch mit dem Telefon nicht das Haus verlassen, mir war ja gar nicht klar, dass diese Karte an einem zweiten Vertrag hängt. Vodafone registrierte aber an einem schönen Vormittag im Oktober eine Datennutzung von 1,2 MB über besagte Karte. Für alle, denen das nichts sagt: 1,2 MB ist in etwa die Größe eines Fotos, das ich versende. Nichts bewegendes also. Über meine Hauptkarte habe ich Nutzungen in vielfacher Größe und die kosten mich – im Rahmen meines Vertrages – keinen Cent extra!

Datennutzung Vodafone

1,2 MB für 82,90 Euro?

Für besagte 1,2 MB berechnete Vodafone mir allerdings 82,90 Euro, zuzüglich Mehrwertsteuer … insgesamt also knapp 100 Euro. Ich war den Tränen nah, als ich begriff, woher diese Kosten kamen. Könnt ihr mir überhaupt noch folgen? Ich grad nicht mehr so richtig, die Wut droht mich schon wieder zu übermannen 😉

Noch einmal im Überblick

Ich hatte und habe einen zweiten Vertrag, was mir allerdings über ein Jahr nicht klar war (schäm). In meinem Besitz befindet sich eine zweite Karte, die als Ersatzkarte beschriftet ist (grübel). Ich stecke diese Karte in ein Telefon, das ich ausschließlich im WLAN nutze und vergesse, sie wieder zu entnehmen. Offensichtlich überträgt diese Karte – trotz WLAN – Daten, wenn auch nicht in dramatischer Höhe, und so entstehen mir Kosten von schlappen 100 Euro, zzgl. zu den monatlichen 4,95 Euro, die schon so überflüssig sind, wie nur möglich. Was also tun. Zum Glück bekam ich an dieser Stelle Hilfe. Der wunderbarste aller Reisebegleiter entpuppte sich auch als wunderbarer Mobilfunk-Vertrags-Versteher UND erklärte sich bereit, mal freundlich bei Vodafone nachzufragen, wie denn 1,2 MB einen so stolzen Preis haben können.

Gesagt getan. Das Gespräch dauerte keine 3 Minuten, der Mitarbeiter konnte offensichtlich nicht genau erklären, wo geschrieben steht, dass 1,2, MB 82,90 Euro zzgl. MwSt. kosten, statt dessen bot er spontan an, mir eine Gutschrift von 100 Euro zu verschaffen. Wow! Cool, das war ja gar nicht so schwer gewesen. Tatsächlich traf auch wenige Minuten später eine SMS von Vodafone ein, die mir eine Gutschrift von 100 Euro bestätigte. Toll. Ich war glücklich. Schnell kündigte ich ALLE Verträge. AUCH die Super-Wochenend-Flat, die nämlich sonst noch bis in die Steinzeit und zurück weiter Bestand gehabt hätte, und war froh.

Die Experten von Vodafone haken nach

Meine Freude währte etwa 2 Tage, da kontaktierte mich eine Mitarbeiterin von Vodafone, um mir zu erklären, dass die Gutschrift eigentlich nicht rechtmäßig sei, weil ich für den Vertrag mit der Super-Wochenend-Flat ja keine Travel-Europe-Option gebucht habe … (kein Witz). Ich kicherte hysterisch und teilte ihr mit, dass sie eigentlich wissen sollte, dass die fragwürdigen Kosten nicht im Ausland sondern in meinem Wohnzimmer entstanden waren. Außerdem ließ ich sie wissen, dass ich mit dem Angebot der Gutschrift sehr zufrieden sei und die Sache somit als erledigt betrachte. Sie schien nicht richtig begeistert über den Gesprächsverlauf und verabschiedete sich – ich sag mal etwas schmallippig. Ich blieb weiterhin optimistisch.

Ein Monat zog ins Land, ich freute mich auf meine Gutschrift, hatte die sogenannte Ersatzkarte sperren lassen und zerstört. Beide Verträge sind gekündigt und die Kündigung bestätigt. Einem weiteren Mitarbeiter von Vodafone hatte ich erklärt, dass ich keine weitere „Ersatzkarte“ wünsche. Er ignorierte dies und schickte mir trotzdem eine. Alles in allem erschien mir die Situation ordentlich sortiert. Bis heute morgen die nächste Rechnung eintraf …

Der Text ist jetzt schon deutlich länger als geplant. Deshalb splitte ich ihn in zwei Teile, hier geht es zur Fortsetzung 🙂

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Veröffentlicht von

Nic arbeitet seit Anfang der 90er Jahre als Journalistin für diverse große Zeitschriften. Nic mag ihren Job und liebt Geschichten über Menschen aller Art. NicMag gibt diesen Geschichten jetzt auch virtuell Raum. Und bietet somit die Möglichkeit, auch über Hintergründe und Themen zu schreiben, für die im Print nicht immer genug Platz war und ist.

6 Kommentare

  1. Ich habe mich vor etlichen Jahren aus ähnlichen Gründen von Vodafone verabschiedet. Wochenendverarsche gab es damals noch nicht, aber sie haben seither in Sachen „Kunden zahlen lassen für nix und wieder nichts mit einfachen und billigen aber komplett unverständlichen Tricks“ sicherlich dazugelernt.

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