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Das Greifswald-Gefühl

Greifswald

Gefühle sind ja so eine Sache. So ganz frei davon ist (zum Glück) niemand. Auch wenn der eine oder andere gern vorgibt, sich mit derlei irrationalem Zeug nicht aufzuhalten. Eine Verschleierungstaktik, die mir gänzlich fremd ist. Gefühle kann ich! In jede nur erdenkliche Richtung. Ich glaube fest daran, dass sie ein hervorragender Wegweiser durch das Leben sind. Und ich wende sie nicht nur auf Menschen, Katzenbabys oder sonnige Frühlingstage an. Auch Häuser und ganze Städte bekommen Gefühle zugeordnet. Nehmen wir zum Beispiel Greifswald, bzw. das Greifswald-Gefühl.

Das Greifswald-Gefühl, die Vorgeschichte

Vor einigen Wochen entstand die Idee, nach Greifswald zu reisen. Die genauen Hintergründe sind hier und in diesem Moment nicht so wichtig. Die Idee wurde zum Plan, der Plan zur Tat. Eine bescheidene Vorrecherche führte zu überschaubaren Infos:

  • Hansestadt
  • Universitätsstadt
  • Rund 60 000 Einwohner
  • Museumshafen mit Museumswerft
  • Boote aller Art

Nicht genug Infos, um mehr als diffuse Neugier entwickeln zu können. Vielleicht auch ganz gut. Schließlich ist erwiesen, dass wir – dank selektiver Wahrnehmung – nur sehen, was wir sehen wollen. Also lieber vor Ort schauen und fühlen, statt nur die vorab gezimmerte Erwartungshaltung zu bestätigen und abzuhaken. Wobei natürlich die Nähe zum Wasser und dem Meer immer dazu führt, dass ich tendenziell positive Erwartungen hege. Andererseits neigen Städte dieser Größenordnung manchmal auch dazu dieses Gefühl von „Hier willste nicht tot übern Zaun hängen“ zu erzeugen. Vor Antritt der Reise, war die Lage also komplett offen …

Vor Ort in Greifswald

Greifswald

Greifswald hält sich bedeckt

Ankunft bei schmuddeligen 8 Grad, die Anreise durch die „reizarme, norddeutsche Landschaft“ (Original-Zitat), war durch den begleitenden Nieselregen nicht reizvoller geworden. Ein schüchterner Blick auf den Hafen, dann weiter ins nahgelegene Fischerdorf Wieck. Es hat den Ruf, romantisch zu sein und das kann ja durchaus positive Folgen haben. Nun ist es so, dass der Bodden, also das flache, buchtartige Küstengewässer, an dem Greifswald und Wieck gelegen sind, sich nicht anfühlt wie das offene Meer. Wie auch? Ein Bodden hat leicht tümpelige Züge, da kommt kein Gefühl von wilder Freiheit auf. Dennoch: Wieck ist charmant, die Fischbrötchen-Verkäuferinnen nett, der Lachs lecker. Später dann ein Spaziergang am Hafen von Greifswald. Hübsch beleuchtet schaukeln die Boote im Wasser, mir wird langsam wohlig im Bauch. Ein hervorragendes Abendessen an Bord eines Schiffchens namens Pomeria tut sein übriges.

Greifswald – die Sonne geht auf!

Verglichen damit, was Greifswald am nächsten Morgen zu bieten hat, ist das aber alles nur ein emotionales Aufwärmen. Über Nacht haben sich die Wolken verzogen. Blauer Himmel – ein unschlagbares Argument, allerdings bleibt ein ödes Kaff ein ödes Kaff, egal, wie schön der Himmel darüber strahlt. Doch Greifswald ist kein ödes Kaff. Ein Spaziergang durch die Stadt, ein bisschen in der Sonne sitzen. Ich brauche nicht lang und weiß: Fühlt sich gut an. Die Häuser eine bunte Mischung schöner, historischer Gebäude und Plattenbau aus DDR-Zeiten. Der Marktplatz erfüllt vom buntem Treiben des traditionellen Oster- und Blumen-Marktes. Je mehr Menschen an uns vorbeiziehen, desto klarer wird dieses gute Gefühl. Mag sein, dass es auch in Greifswald blöde Ecken gibt und Menschen, die ich nicht mögen würde. Doch das Greifswald-Gefühl ist jetzt verankert und es ist ein positives. Und natürlich habe ich auch ein paar Lichtbilder mitgebracht, die den Eindruck vielleicht verdeutlichen – wenn ihr mal schauen mögt:

Das Greifswald-Gefühl – Fazit

Nun könnte man natürlich noch vieles mehr erzählen über diese sympathische Stadt im Norden Mecklenburg-Vorpommerns. Ich mag es aber, mein gutes Gefühl einfach noch ein bisschen wirken zu lassen und mich daran zu erfreuen. Was könnte so ein kleiner Ausflug mehr leisten, als den Ausflügler durch und durch mit einem warmen Glücksgefühl nach Hause zu bringen? Eben! Eines allerdings bleibt noch anzumerken: Erst nach der Rückkehr in die Heimat erfuhr ich vom lieben Peter Prange, dass die Protagonisten seines Bestsellers „Das Bernsteinamulett“ sich im Fischerdörfchen Wieck ineinander verliebten … Das erklärt natürlich einiges in Hinblick auf das Greifswald-Gefühl 😉 Peter empfiehlt zudem auch noch den Besuch der Klosterruine von Eldena. Originalzitat: „Da war es am allerromantischsten.“ Will sagen: Greifswald, wir kommen wieder. Bis dahin, bleib wie du bist!

Veröffentlicht von

Nic arbeitet seit Anfang der 90er Jahre als Journalistin für diverse große Zeitschriften. Nic mag ihren Job und liebt Geschichten über Menschen aller Art. NicMag gibt diesen Geschichten jetzt auch virtuell Raum. Und bietet somit die Möglichkeit, auch über Hintergründe und Themen zu schreiben, für die im Print nicht immer genug Platz war und ist.

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