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So geht Norddeutsch – Teil 2

Manchmal sind es die kleinen, feinen Beiträge. Sie entstehen aus einer Laune heraus und interessieren dann viel mehr Leser als ich es erwartet hätte. Einer dieser Beiträge ist mein kleines Norddeutsch-Lexikon. Täglich führt google Menschen zu diesem Beitrag, die offensichtlich mehr wissen wollen über die rätselhafte Spezies des Norddeutschen und vor allem seine geheimnisvolle Sprache. Und deshalb folgt jetzt der zweite Teil der exklusiven nicmag-Lieblingsvokabeln.

Schnute

Aktuell mein absolutes Lieblingswort. Eine Schnute ist grundsätzlich mal ein Mund. Und doch so viel mehr. Eine (süße oder seute) Schnute kann auch ein ganzes Kind sein. So ein niedliches Ding halt. Und eine Schnute ist irgendwie lecker und liebenswert. Küssenswert möchte ich fast meinen. Aber ich drifte ab – letztlich ist eine Schnute eine Schnute. Weiter unten im Lichtbild mal meine Schnute 🙂

Feudel

Ein Feudel ist dieser, meistens graue, Putzlappen, mit dem der Fußboden gewischt wird. Einfach mal wieder durchfeudeln, nicht wahr?

Plünnen/Plünnkram

Ein anderes Wort für Klamotten, also Kleidung. Die Abwandlung Plünnkram bezeichnet allerdings nicht Kleidung sondern minderwertig verarbeitete Dinge. Egal, ob es sich um Gegenstände handelt oder die Arbeit von Handwerkern. Wenn es keine gute Qualität hat, ist es Plünnkram.

Ausklabüstern

Wer etwas ausklabüstert, heckt sozusagen einen Plan aus oder kommt einem Vorgang auf die Schliche. Es ist eine fast schon detektivische Herangehensweise. Auch vergleichbar mit aushecken oder austüfteln. Nur noch viel cooler, eh klar, oder?

Rammdösig

Stellt euch vor, jemand erzählt immer und immer wieder das Gleiche oder ihr müsst eine sehr langeweilige Tätigkeit verrichten. Am Fließband Schrauben zählen oder sowas. Der Zustand, in den man dadurch automatisch gerät, nennt sich rammdösig. Quasi unfähig klar zu denken, benebelt, benommen, evt. auch von Kopfschmerzen begleitet. Man kann aber auch einfach mal behaupten, man sei schon ganz rammdösig, um jemandem zu signalisieren, er könnte gern mal die Schnute für einen Moment halten 😉

Klönschnack

Ein Klönschnack ist etwas herrliches. So ein feines, kleines Gespräch, das den Tag ganz angenehm auflockert. Man kann einen Klönschnack natürlich überall anberaumen oder spontan halten. Auf der Straße, beim Einkaufen, im Büro. So richtig authentisch ist er, wenn eine der schnackenden Personen sich aus dem Fenster lehnt oder über eine teilbare Holztür hinweg schnackt. Es wundert euch sicher nicht zu erfahren, dass ich selbstverständlich eine Meisterin des Klönschnacks bin.

Gedöns

Gedöns ist ganz einfach Kram. Dinge, die rumliegen und keinen erkennbaren Nutzen haben. So Zeug halt, ist klar, oder?

Sutsche

Sutsche ist nichts, was man mir unbedingt nachsagen würde. Das äußerst geschmeidige Adjektiv heißt soviel wie gemächlich, ganz in Ruhe, langsam. Als amtlicher Wippsteert – das ist jemand mit Hummeln im Hintern – also mehr so ein Actiontyp, bin ich nicht so extrem gut in sutsche. Aber, wenn es sein muss, kann ich auch mal sehr sutsche in den Tag hineinlümmeln.

Deern

Eine Deern ist ein Mädchen, der Hamburger ist da aber nicht kleinlich und nennt auch ältere Mädchen gern mal Deern. Im Optimalfall seute (süße) Deern, mit seuter Schnute … Hach, ja, das ist schön!

Die Schnute einer norddeutschen Deern

Die Schnute einer norddeutschen Deern

halt di fuchtig

Diese charmante Formulierung sorgte in den Kommentaren zu meiner ersten Norddeutsch-Liste für Uneinigkeit. Manch einer war der Meinung, es hieße „halt di fruchtig“. Ist aber nicht so. „Halt di fuchtig“ heißt soviel wie ‚lass es dir gut gehen‘, ‚halt die Ohren steif‘, ‚bleib schön frisch‘ sozusagen. Das hat mit Obst nur bedingt was zu tun 😉

Puffer

Ein Puffer ist ein Kuchen, der andernorts wohl als Napfkuchen bezeichnet würde. Kartoffelpuffer sind Reibekuchen. Alles ganz köstlich.

kiebig

Kiebig ist ein herrliches Wort dafür, dass jemand leicht vorlaut ist, also ein bisschen frech. Aber es klingt doch gleich viel charmanter, das müsst ihr zugeben! Manchmal bedeutet kiebig allerdings auch, dass jemand schon sehr kratzbürstig daherkommt. Also in Ausnahmefällen.

Das also zum zweiten Teil meines kleinen Norddeutsch-Lexikons. Ich bedanke mich bei allen, die mich mit ihren Kommentaren unter dem ersten Teil und auch bei facebook dazu angeregt haben. Solltet ihr noch mehr norddeutschen Schnack auf Lager haben – immer her damit. Wir können auch in Serie gehen.

In diesem Sinne: holt di fuchtig und kiek mol wedder in 🙂

 

Veröffentlicht von

Nic arbeitet seit Anfang der 90er Jahre als Journalistin für diverse große Zeitschriften. Nic mag ihren Job und liebt Geschichten über Menschen aller Art. NicMag gibt diesen Geschichten jetzt auch virtuell Raum. Und bietet somit die Möglichkeit, auch über Hintergründe und Themen zu schreiben, für die im Print nicht immer genug Platz war und ist.

10 Kommentare

  1. Ha – da merke ich meine jaaaahrelange Erfahrung mit Norddeutschen! Die Begriffe kenne ich alle und nutze sie teilweise sogar 🙂

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  2. O wat hebt wi lacht eben … 😀 😀
    Nu bin ich brägenklöterich. 😉

    Hummel, Hummel!

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  3. Pingback: So geht Norddeutsch – Die Top 10

  4. Beim durchlesen musste ich schmunzeln… Ich kenne sie alle, und benutze sie auch. Kenne auch die Bedeutungen, nur diese dann mal im Zusammenhang zu lesen – sehr gut! Danke …ich liebe einfach das Wort schnacken und vermisse den Klönschnack im Süden

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  5. Moin Moin
    Wir kommen auch bald in den Hohen Norden und zwar aus der Schweiz!! Der Klönschnack bei euch is ja nu mal zu schön…
    Bis bald
    Zwei „Zureisende“ die von der Schweiz genug haben…

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