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Mieps vs. Henry – Stress unter Katzen …

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ihr dürft mich jetzt offiziell crazy-cat-lady nennen. Wer zu den unmöglichsten Zeiten vor dem Grundstück entfernter Nachbarn herumlungert und mit verstellter Stimme versucht, eine Katze anzulocken, ist nicht nur ein bisschen verrückt: „Baby-Mieps, Mieps-Maunz, Mieeebieee-Mieps …“

Der Erfolg rechtfertigt die Mittel

Doch: das Ablegen jeglicher Würde sollte sich lohnen. Nachdem unser abtrünniges schwarzes Katzen-Mädchen sich ja gestern nur kurz durchgefuttert hatte, um dann wieder in die Wildnis zu entschwinden, stand sie heute Mittag plötzlich hinter mir. Ich bin mir relativ sicher, dass sie sowas sagte wie: „WAS zum Geier tust du da? Warum stalkst du die armen Nachbarn, ich bin hier, direkt hinter dir …“ Während sie noch so vor sich in quatschte, klemmte ich sie allerdings schon unter meinen Arm und brachte sie wieder zu uns nach Hause. Festentschlossen, sie diesmal nicht so schnell wieder ziehen zu lassen. Doch, siehe da, sie wollte gar nicht wieder gehen.

Schlafen, Fressen, Schlafen, Fressen …

sehr, sehr müde Katze …

sehr, sehr müde Katze …

Nach einer amtlichen Katzenmahlzeit, hüpfte sie auf einen Stuhl im Obergeschoss, den sie früher schon gern bewohnt hatte, und fiel in einen tiefen, tiefen Schlaf. Das ist jetzt 20 Stunden her. Die Katze schläft und schläft und schläft – nur unterbrochen von weiteren Mahlzeiten. So weit, so gut. Offensichtlich weiß sie die Vorzüge eines all-inclusiv-Haushaltes doch noch zu schätzen. Wie aber gehen wir nun damit um, dass ihr Katzen-Kollege, der charmante Henry, sie offensichtlich vertrieben hat? Ist es möglich, den Haussegen der beiden wieder zurechtzurücken?

Stress unter Katzen – Was tun?

Um es noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen: Es gab hier zu keiner Zeit üble Schlägereien oder sonstige Ausschreitungen, wie man sie teilweise in den einschlägigen Katzen-Sendungen bei VOX sieht, bei denen Katzen-Therapeutin Birga Dexel Tieren und ihren Besitzern hilft. Zeitweise gingen die beiden sogar ganz süß miteinander um. Trotzdem liegt der atmosphärischen Störung zwischen Mieps und Henry ganz sicher ein ähnliches Prinzip zugrunde. Sie möchte mehr Ruhe als er – das muss für uns gar nicht immer auf den ersten Blick erkennbar sein. Stress unter Katzen kann viel subtiler entstehen als man so annimmt. Fakt ist: als er heute einmal nur grob in ihre Nähe kam, völlig harmlos und eher respektvoll, suchte sie sofort fauchend das Weite. Irgendetwas muss geschehen sein, dass sie ihn so furchtbar findet. Was, werden wir wohl kaum herausfinden. Aber wir können versuchen, den Hausfrieden wieder herzustellen. Hierzu habe ich mir folgendes überlegt:

– Mieps muss sich wieder wohl und sicher in unserem Haus fühlen. Sie hat deshalb erst einmal einen relativ großen Bereich für sich allein und soll auch weitgehend im Haus bleiben. Sie wird aktuell maximal verwöhnt.
– Henry braucht intensive Beschäftigung. Deshalb haben wir ein paar coole Katzen-Spielzeuge besorgt und engagierte, junge Menschen zum Toben mit ihm eingeteilt. Er wird also auch verwöhnt, nur auf anderem Wege. Als Effekt erhoffe ich mir, dass er bei künftigen Begegnungen mit Mieps absolute Entspanntheit ausstrahlt und sie nicht mehr stresst.

Beschäftigungstherapie für Sir Henry

Beschäftigungstherapie für Sir Henry

Bis hierher bin ich mir sicher, dass die Maßnahmen sinnvoll sind. Ob sie allein ausreichen, damit die beiden irgendwann wieder Freunde werden, weiß ich allerdings nicht. Ich hoffe es aber sehr. Ein friedliches Nebeneinander wäre ja grundsätzlich auch ausreichend. Erst einmal bin ich froh, dass das kleine schwarze Ding wieder bei uns ist und sich ordentlich satt frisst. Sie ist doch deutlich dünner geworden in den letzten zwei Wochen. Ich halte euch natürlich gern über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden, wenn auch nicht täglich. Die Anteilnahme der letzten Tage hat mir sehr geholfen! Danke dafür. Über schlaue Tipps zum Thema Katzen-Frieden bin ich natürlich weiterhin sehr dankbar. Vielleicht ist dann irgendwann tatsächlich mal wieder gemeinsames Chillen auf einer Bank drin 😉

chillen

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Nic arbeitet seit Anfang der 90er Jahre als Journalistin für diverse große Zeitschriften. Nic mag ihren Job und liebt Geschichten über Menschen aller Art. NicMag gibt diesen Geschichten jetzt auch virtuell Raum. Und bietet somit die Möglichkeit, auch über Hintergründe und Themen zu schreiben, für die im Print nicht immer genug Platz war und ist.

6 Kommentare

  1. Ah, wie gut: Sie ist erst mal wieder DA! Und dein Plan klingt sehr übezeugend! So wie du es beschreibst (20 Std. schlafen…) war es bei uns letztes Jahr auch – deswegen war ich auch sehr verwundert, dass sie gleich wieder los zog. Vielleicht hatte Mieps ja auch einfach nur etwas sehr, sehr wichtiges zu erledigen…
    Liebe Grüße und viel Erfolg!
    Inga

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  2. Hallo Nic, danke für diese tollen Ausführungen zu Katzen und Stress. Vielleicht hilft ein Kratzbaum zum Abreagieren? auf unserer Seite gibt es auch tolle Videos sowie Ideen für den eigenen Katzenbaum, http://www.katzenbaum.net. Lieber Nic, wenn du willst, kann ich dich gerne auf meinem Blog vorstellen, indem du beispielsweise einen Gastartikel schreibst
    liebe grüße , thomas

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    • Lieber Thomas,

      vielen Dank für deinen Kommentar und die Anregung. Ich denke allerdings, dass unsere beiden Freigänger auf ihren täglichen Streifzügen durch die Nachbarschaft und unseren Garten reichlich Möglichkeiten zum Abreagieren haben. Somit können wir im Haus auf einen Kratzbaum verzichten. Ich werde mir deine Seite aber trotzdem gern mal anschauen. Für einen Gastbeitrag habe ich im Moment leider keine Zeit, aber das kann sich natürlich ändern, dann melde ich mich.

      Liebe Grüße

      Nic, Mieps und Henry

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  3. Das war bei unseren beiden vor ein paar Jahren auch so gewesen und das von einem Tag auf den anderen…Ein paar Wochen später kam unsere Ronja gar nich mehr nach Haus. Ich weiß bis heute nicht wo sie hin ist bzw was damals vorgefallen is…

    Liebe Grüße Nico

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  4. Ich kenne das nur zu gut!

    Wir haben eine Freigängerin gehabt und dann kamen 2 Main Coons dazu als Hauskatzen natürlich. Es gab Ärger ohne Ende, aber NIE mit richtigen kämpfen. Die Coonies sind bis heute immer sehr neugierig und ich würde sogar schon sagen fast verliebt in unseren Freigänger. Man sieht richtig das sie Freunde werden wollen 😀

    Aber der Freigänger dem passt es bis heute (1 1/2 Jahre später) immernoch nicht. Es wird gefaucht wenn zu nah gekommen wird. Manchesmal liegen sie sogar bis auf 2 Meter entfernt und schlafen alle 3 zusammen. Sie dulden sich also und die Freigänger-Katze kommt auch jedesmal wieder nach hause. Aber Freunde werden sie wohl niemals werden.

    Viele Grüße

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