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Wo ist Mieps? Oder: eine Katze auf Abwegen

Katzen sind nichts für schwache Nerven – jeder, der schon mal eine hatte, kann das bestätigen. Mal schleppen sie lebende oder bereits verstorbene andere Tiere ins Haus, dann wieder sich selbst mit blutigen Wunden, die vom Fachmann genäht werden müssen. Und manchmal – in ganz ungünstigen Fällen – entscheidet so eine Katze auch, dass sie ab sofort lieber woanders leben möcht. Dann handelt es sich um eine Katze auf Abwegen. Aber von vorn.

Ein Katzenbaby aus der Steiermark

Wie alles begann – Maunz-Baby

Wie alles begann – Maunz-Baby

Es ist ziemlich genau zwei Jahre her, als wir unser schwarzes Katzenmädchen in einer aufregenden Aktion aus Österreich, genauer gesagt der Steiermark, nach Deutschland schmuggelten. Schnell war Lil’ Beatles, wie sie offiziell heißt, aus der Familie nicht mehr wegzudenken. Mit Abstand die Kleinste, aber dafür ganz weit vorn im Unterhaltungswert. Katzenbesitzer wissen, wovon ich spreche. Auch mit unserem damaligen Mitbewohner Elvis, dem Schäferhund, kam Lil’ Beatles gut aus. Nun ist er aber auch ein ausgesprochen höflicher und geduldiger Typ, der ein großes Herz für kleine Katzen hat. Beatles, die bald den Namen Maunz und später auch Mieps bekam, weil ihre Stimme eben genau so klingt, mochte Elvis und Elvis mochte sie.

Ein neuer Freund muss her

Beste Freunde: Maunz und Elvis

Beste Freunde: Maunz und Elvis

Nun ergab es sich, dass Elvis aus beruflichen Gründen nicht mehr täglich zugegen war, und wir fürchteten, Maunz-Mieps könnte sich ohne ihn einsam fühlen. Sie wich uns Menschen kaum noch von der Seite, wenn wir zuhause waren und schien sich mehr Gesellschaft zu wünschen. Was läge in einer solchen Situation näher, als ihr einen Katzen-Kollegen ins Haus zu holen. Einen etwa gleichaltrigen Kerl zum Spielen und Kuscheln und gemeinsam wichtige Katzen-Angelegenheiten erledigen. Im Tierheim Bad Oldesloe wurden wir fündig. Henry, auch bekannt als Sir Henry, war so schüchtern und klein und mitleiderregend, dass wir beschlossen, ihm ein neues Zuhause zu bieten. Relativ schnell arrangierten die beiden sich miteinander. Elvis, der hin- und wieder vorbeischaute, kam sowieso mit beiden gut zurecht.

Von wegen schüchtern …

henrymaunzEin Jahr verging. Man sah Maunz-Mieps und Henry zwar nie miteinander kuscheln, wie andere Katzen dies tun, aber das Miteinander war durchaus in Ordnung. Immerhin lagen sie manchmal zusammen auf einer Bank oder demselben Bett, wenn auch in gebührendem Abstand. Henry wuchs und wurde mutiger, er ist ein sehr charmanter Typ, da gibt es gar nichts. Eines Tages verteidigte er sogar seine Katzen-Schwester gegen eine feindliche Riesen-Katze aus der Nachbarschaft. Voll cool. Dann aber, ganz langsam, begann die Stimmung zu kippen. Maunz-Mieps entwuchs der Flegel- und Tobe-Phase und entschied sich, eine seriöse und erfolgreiche Mäuse-Mörderin zu werden, die ansonsten gern ihre Ruhe hat. Vielleicht mal eine Kuscheleinheit mit einem der Lieblingsmenschen. Aber bitte kein nerviger, kleiner Katzenbruder, der ständig toben will … Gleichzeitig schien Henry nicht so recht zu wissen, wohin mit all seiner Energie. Regelmäßig zoffte er sich mit der Nachbarskatze und irgendwie erwartete er auch von Lil’ Maunz Beatles mehr Action als diese gern hat.

Gar nicht mehr so klein und schüchtern: Sir Henry

Gar nicht mehr so klein und schüchtern: Sir Henry

Komm mir nicht zu nah …

Es kam, wie es kommen musste, sie fauchte ihn an, wann immer er um die Ecke bog. Im Gegenzug liebte er es aber auch, sie mit einem gekonnten Sprung zu erschrecken, wenn sie in der Sonne dösen wollte. Nicht sooo schön das Ganze, aber ich hatte nicht die richtige Idee, wie ich der Sache hätte begegnen können Ich hoffte, es würde sich schon zurechtruckeln. Katzen haben ja auch so ihre Phasen, das ist nicht anders als bei uns. Leider ruckelte es sich aber nicht zurecht, die Sache mündete in einem kleinen Drama. Ende Juli war die kleine Mieps schon dazu übergegangen, nur noch jede zweite Nacht heimzukommen und dann auch möglichst Henry aus dem Weg zu gehen. Als wir Anfang August eine Woche nach Kroatien reisten, muss die Situation endgültig aus dem Ruder gelaufen sein. Unser Katzensitter traf immer nur den sehr liebebedürftigen Henry an, wenn er zweimal täglich zur Raubtierfütterung schritt. Die Mieps sah er ein einziges mal auf der Straße und dann im Gebüsch verschwinden …

Wo ist die Katze?

Auch nach unserer Rückkehr fehlte jede Spur vom Katzenmädchen. Nach etwa einer Woche wurde die Angst, ihr könnte etwas zugestoßen sein, zu groß. Ich hängte Plakate in der Nachbarschaft auf und veröffentlichte eine Suchmeldung bei Facebook. Die Nerven wurden dünner, die Sorge immer größer. Ich rief immer ihren Namen, wenn ich durch die Nachbarschaft lief. Aber zunächst kein Zeichen von Mieps. Sowohl die Nachbarn von nebenan als auch von gegenüber versprachen, die Augen aufzuhalten. Henry saß immer wieder mit tragischem Maunzen vor mir und ich hatte das Gefühl, er wolle mir etwas mitteilen.

Endlich eine Spur

Eines Morgens sagte ich zu ihm: „Na los, dann zeig mir mal, wo sie ist“, und öffnete die Tür. Ob man es glaubt oder nicht – er trabte die Straße entlang und führte mich zu einem Grundstück, an dem er aufwändig im Gebüsch rumschnüffelte. Ok, auf dem Weg dorthin warf er sich mindestens zweimal spontan auf den Boden und ließ sich den Bauch kraulen. Aber er ist halt ein Kater und kein Drogen-Spürhund. Die Mieps fanden wir gemeinsam zwar nicht, aber es sollte sich zwei Tage später herausstellen, dass Henrys Spur sehr heiß gewesen war. In meiner Verzweiflung lief ich noch einmal an den gegenüberliegenden Häusern entlang, wo sie zuletzt gesichtet worden war, und entschied mich schließlich, einfach mal zu klingeln. Was soll ich sagen – die junge Frau, die mir die Tür öffnete, sah sich das Foto von Mieps an, das ich dabei hatte, und sagte sofort: „Die Katze habe ich heute morgen auf unserer Terrasse gesehen!“

Der große Moment

MaunzgebueschNach einem kurzen Gespräch war ich mir sehr sicher, dass sie tatsächlich unser kleines Katzen-Mädchen gesehen hatte … Vielleicht 50 m von unserem Haus entfernt. Und doch war sie eine so lange Zeit nicht nach Hause gekommen… Mein Verdacht, dass es an Henry lag, verstärkte sich. Was also tun? Noch am selben Abend kehrte ich zweimal zurück zu besagtem Haus. Die Nachbarin hatte versprochen, sich zu melden, wenn sie die Mieps sehen würde, aber darauf konnte ich kaum warten. Am nächsten Morgen um kurz vor 8 Uhr war es dann soweit. Ich stand wieder mit einer klappernden Dose Leckerlies am Zaun der Nachbarn und rief nach Lil‘ Maunz Beatles, da kam sie aus dem Gebüsch geschnürt und geradewegs zu mir gelaufen.

Was nun?

Ich konnte kaum glauben, dass sie tatsächlich unbeschadet vor mir stand und schnurrte. Sie hatte gewaltigen Hunger, sah aber ansonsten aus wie immer. Ich nahm unser Mieps auf den Arm und brachte sie nach Hause. Henry war gerade unterwegs, trotzdem servierte ich ihr eine große Portion Futter in der ersten Etage, damit sie dort ungestört fressen konnte. Sie schlang regelrecht, so hungrig war sie. Dann saß sie noch einen Moment bei uns, schien sich aber sehr misstrauisch zu sein und knurrte sogar ein bisschen, bevor sie direkt wieder das Haus verließ. Es lässt sich nicht leugnen, unser Katzen-Liebling fühlt sich nicht mehr wohl bei uns. Und es bricht mir ein bisschen das Herz. Auch wenn ich froh bin, dass sie am Leben ist. Sie scheint sich ja auch keine neue Familie gesucht zu haben, sonst wäre sie doch nicht so hungrig gewesen. Was nun aber tun? Wie kann ich die Mieps davon überzeugen, dass sie wieder bei uns leben könnte, sollte, möchte? Soll ich sie einfach mal im Haus behalten, wenn ich sie das nächste Mal auftreibe? Wie bekommen wir das Problem mit Henry in den Griff?

Wie es weitergeht und ob vielleicht Katzen-Expertin Birga Dexel helfen kann, mit der ich mich mal in einem Interview über Katzen und ihre Eigenarten unterhielt, werde ich in weiteren Blogposts berichten. Zunächst muss ich mir selbst noch ein paar Gedanken über die Situation machen und hoffe vor allem, Mieps-Maunz ganz schnell wiederzusehen … Sie ist und bleibt nun einmal unser Katzen-Baby und meine wichtigste Mitarbeitern …

tasten

 

Veröffentlicht von

Nic arbeitet seit Anfang der 90er Jahre als Journalistin für diverse große Zeitschriften. Nic mag ihren Job und liebt Geschichten über Menschen aller Art. NicMag gibt diesen Geschichten jetzt auch virtuell Raum. Und bietet somit die Möglichkeit, auch über Hintergründe und Themen zu schreiben, für die im Print nicht immer genug Platz war und ist.

9 Kommentare

  1. Oh je,
    das ist wirklich keine einfache Situation… Ich hoffe, ihr kriegt das irgendwie hin! Wie alt sind die beiden denn eigentlich?
    Liebe Grüße
    Inga

    Antworten

    • Sie sind beide 2013 geboren. Die Mieps im Mai und Henry im Herbst, genaues wissen wir bei beiden nicht. Aber wir haben das Alter ja bei der Zusammenstellung der Familie schon bedacht … Reichte offensichtlich nicht 🙁 Man hat mir auch immer gesagt, es sei egal, ob Kater oder Katze, wenn die Tiere kastriert sind. Langsam bin ich da nicht mehr so sicher, gerade auch in Hinblick auf das, was du erzählt hast. Nun, ich tendiere dazu, sie beim nächsten Mal, wenn ich sie finden sollte, unter „Hausarrest“ zu stellen, damit sie hier ein bisschen zur Ruhe kommen kann. Im Zweifel kann ich die beiden auch voneinander separieren. Liebe Grüße

      Antworten

      • Ja, es ist seltsam, die einen sagen, Katze und Kater spielt keine Rolle, die anderen ganz anders… Hausarrest klingt ganz gut, damit sie mal separat (ohne Herrn H.) sieht, dass es auch friedlich bei euch geht. Trotzdem wäre eine gute Dauerlösung für alle natürlich besser. 🙁

        Antworten

  2. Pingback: Mieps vs. Henry – Stress unter Katzen …

  3. Huhu meine liebe Nic,

    ich kann dich trösten. Auch in anderen Katzenhaushalten sieht es nicht immer rosig aus.
    Ich hab leider auch so einen Kater, der sich ständig genötigt fühlt alles und jeden anzufauchen und zu knurren. Allerdings mobbt sich der Kleine selber!

    Meine 4 Kater kommen eigentlich hervorragend miteinander aus. Es wird gekuschelt, es wird anständig gespielt, es wird einträchtig gefressen – soweit so gut…

    Nur Kater Nummer 4 läuft da manchmal aus dem Ruder. Mag vielleicht an seiner schweren Kindheit und seiner damit einhergehenden Behinderung liegen, aber der Herr ist manchmal einfach „Out of Order“.

    Unser einäugiges Piratenkind meint manchmal alles und jeden anfauchen zu müssen. Egal, ob es sich für ihn interessiert oder auch nicht. Egal, erstmal knurren und fauchen und dann wundern, wenn man tatsächlich mal eins auf die Mütze bekommt.

    Unser jüngster Kater hat nämlich irgendwie gefallen daran gefunden. An sich tut er absolut nichts. Er mobbt nichtmal. Aber wenn er sowieso schon gerade angefaucht wird, dann kann man auch mal kurz einen Grund nachlegen…

    Ich denke, dass unser Piratenkind durch sein einzelnes Auge sowieso schon stark sichteingeschränkt ist. Das verbliebene Auge hat auch einen kleinen blinden Fleck.
    Meine Theorie ist nun, dass er manchmal Schatten sieht und diese als bedrohlich empfindet und deshalb in den Abwehr-Modus springt. Egal, ob da was ist, oder nicht… Oder wenn auf einmal eine Katze, Hund oder ich in seinem Blickfeld auftaucht (von hinten angeschlichen 😉 ) und er deshalb erschrickt.

    Das Problem ist aber wiederrum, dass Herr Pirat eine Pinkelkatze ist. Das heißt, er fühlt sich mit irgendwas nicht einverstanden: Zack, wird irgendwohin gepinkelt.

    Wie gesagt, er hatte keine leichte Kindheit! Deshalb bin ich ihm auch nicht böse. Ich versuch ihn vor allen Situationen zu beschützen. Selbst wenn ich manchmal dann zu den anderen Miezen etwas ungerecht sein muss (weil ich sie wegscheuche, ohne dass sie etwas gemacht haben…).
    Es wird ja sogar mit den anderen Katzen gekuschelt, aber manchmal ist der Herr einfach komisch und faucht aus heiterem Himmel los.

    Ich kann es nur auf seine Behinderung schieben… Ein anderer Grund ist mir bisher nicht aufgefallen.

    PS: Meine 4 gehen auch nicht raus. Das würden meine Nerven nicht aushalten.

    GLG

    Limettchen

    Antworten

    • Liebes Limettchen,

      danke für den ausfürlichen Einblick in deine Katzen-WG. Klingt nach relativ viel Action.
      Ist es nicht schwierig, alle vier im Haus zu behalten? Die meisten Katzen wollen doch unbedingt raus? Hier kehr langsam wieder etwas Normalität ein. Zumindest frisst die Mieps sich wieder ein paar Gramm auf die Rippen und ist von ersten Spaziergängen auch wieder zurückgekehrt.

      Liebe Grüße

      nic

      Antworten

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