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So geht Norddeutsch – Die Top 10

Als Sprach-Fetischistin allererster Kajüte habe ich ein ausgeprägtes Faible für seltene Worte mit hohem Charme- und Unterhaltungs-Faktor. Und natürlich geht mir das Herz besonders auf, wenn mir Begriffe über den Weg laufen, die ich gefühlt seit meiner Kindheit nicht mehr gehört habe. Norddeutsche Wort-Schönheiten aus dem Hamburger Raum. Sprach doch zum Beispiel mein Onkel mit meinem Vater sogar noch Pladdütsch. Wie ich da jetzt grad drauf komme?

Norddeutsch-Lexikon dank Krude TV

Ganz einfach: Das NDR-Fernsehen verkündete just, dass wir uns ab 12. September auf 6 neue Folgen der Comedy-Reihe „Krude TV“ freuen dürfen. „Krude TV“ ist so norddeutsch, wie es nur irgendwie geht. Mit ganz kruden Typen, irgendwo zwischen „Dittsche“, der Flensburger-Werbung und dem ganz normalen Wahnsinn, den es eben nur hier oben in Küstennähe gibt. Und deshalb präsentiere ich hier und heute ein kleines Norddeutsch-Lexikon. Mein kleines Norddeutsch-Lexikon. Nics Top 10 der gediegensten Worte von hier ganz oben. Und den Anfang macht natürlich

1. krude Ich bin mir zwar gar nicht ganz sicher, dass es ein rein-norddeutsches Wort ist. Aber die Sendung heißt so, also wird es hier auch erklärt. Laut Duden ist krude gleichzusetzen mit Worten wie derbe, unverdaulich, ungeschliffen. Ich ergänze noch schräg und eigenwillig. So wie die Gestalten bei Krude TV.

2. Bonsche Total klar, oder? Bonsche sind natürlich Bonbons. Lecker, lecker, lecker, oder wie wir hier oben sagen: legger. In meiner Kindheit fragten Omis noch: „Möchtsn Bonsche“. Und natürlich wollten wir.

3. Tüddeln jemand, der tüddelt, erzählt Quatsch oder auch Blödsinn. Das ist kein richtiges Lügen. Tüddeln ist mehr ein bisschen an der Wahrheit zupfen, etwas leicht verbiegen. Keine bösartige Lüge. Das Substantiv dazu ist übrigens Tünkram 😀

4. Büx Eine Büx ist ganz einfach eine Hose. Für mich steckt allerdings regelrecht Poesie in dem Wort. Jemand, der oft Angst hat, ist übrigens eine Bang-Büx. Weil man sich ja vor Angst auch in die Hosen – oder eben die Büx – macht.

5. krüsch eins meiner absoluten Lieblingsworte. Jemand, der krüsch ist, ist extrem wählerisch, was das Essen angeht. Im Englischen sagt man picky …

6. Knust Ich gehöre zu den Menschen, die ihn lieben. Den Knust. Damit ist das Endstück des Brotes gemeint, also der ggf. harte Kanten. Herrlich ☺

7. Schiedbüddel oder auch Schiedder Ein Kosewort, dass soviel bedeutet wie kleiner Hosenscheißer. Aber im ganz, ganz liebevollen Sinne. Ein wunderbares Wort

8. Mors das Hamburger Wort für den Popo.

9. bannig Jemand hat bannig Schiss oder bannig was um die Ohren. Also viel, ordentlich oder richtig doll. Bannig lässt sich auch durch fix ersetzen. Das hab ich jetzt aber bannig gut erklärt, da bin ich aber fix stolz auf mich 😉

10. dat löppt sich ans torecht ein ganzes Sprichwort und eins meiner liebsten. Die langweilige Nina Ruge pflegte ja immer zu sagen: „Alles wird gut“. Dat löppt sich ans torecht ist quasi die Platt- oder Norddeutsche Variante. Und natürlich viel cooler. Ein wunderbarer Spruch, der irgendwie immer passt. In diesem Sinne: Dat löppt sich ans torecht ihr Schiedbüddel 😀

Obwohl: Einen hab ich noch. On top als Bonus-Track und Zugabe: jo – wie wir seit einiger Zeit alle wissen – im norddeutschen Raum ein ganzer Satz, mit Subjekt, Prädikat und Objekt 😉

Das also zu nics kleinem Norddeutsch-Lexikon. Ich könnte die Liste noch ziemlich lang fortsetzen. Aber vielleicht möchtet ihr ja auch was beitragen! Denn man to …

Update: Es gibt inzwischen einen zweiten Teil meines kleinen Norddeutsch-Lexikons, hier entlang 🙂

Veröffentlicht von

Nic arbeitet seit Anfang der 90er Jahre als Journalistin für diverse große Zeitschriften. Nic mag ihren Job und liebt Geschichten über Menschen aller Art. NicMag gibt diesen Geschichten jetzt auch virtuell Raum. Und bietet somit die Möglichkeit, auch über Hintergründe und Themen zu schreiben, für die im Print nicht immer genug Platz war und ist.

28 Kommentare

  1. Witschern – für Wände streichen, auch gerne „malern“ genannt.
    Nu ma sutsche – mach nicht schnell
    klönen – das Wort mag ich auch gerne, wie auch schnacken
    backsich – klebrig „Iiih, dat bakt ja“ (ich weiß gar nicht mehr, wie man das richtig schreibt.

    Und in Schleswig-Holstein sagen wir „Bonscher“, auch lustig, oder? Mehrzahl: die Bonschers.

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  2. Schöne Liste 🙂

    Zwei Wörter, bei denen ich mit erstaunen festgestellt habe, dass sie wohl Norddeutsch sind, weil ich in meiner Studienstadt ganz verwundert angesehen wurde als ich sie benutzte:
    1. Bierbricken: der Bierdeckel
    2. eingucken: bei jemanden (relativ) spontan auf einen kurzen Klönschnack vorbeigehen

    dabei fällt mir auf:

    3. Klönschnack: ein nicht bösartig gemeinter Tratsch

    bannig kenne ich übrigens unter einer anderen Bedeutung. Jemand, der bannig ist, hat sehr leicht und vor allem Angst. Ist sehr vorsichtig und überlegt sehr lange, bevor er etwas neues ausprobiert.

    Liebe Grüße
    Lexa

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    • Bierbricken würde ich ja spontan eher nach Westfalen einordnen, und eingucken kenn ich auch nicht. Aber das heißt natürlich nichts 🙂 die Bedeutung von bannig, die du da schilderst, kenne ich auch nicht, das klingt ja eher nach einer Ableitung von bang, also bangig? Klönschnack zu vergessen, war tatsächlich ein unverzeihlicher Fauxpas von mir. Der ist ja ein MUSS 🙂

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      • Ist auch nicht Hamburger-Dialekt sondern Ostholsteiner. Da gibt es ja durchaus nochmal Unterschiede.
        Mit bannig, bangig hast du wohl recht… Aber solche Wörter schreibe ich nie, sondern sage sie nur. Da passieren schon mal so Fehler 😉

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  3. Hallo Nic,
    dieses Norddeutsch ist ja schon richtig eine Fremdsprache 🙂 Ok, ein paar Worte, wie Tünkram, Büx und bannig, habe ich auch schon gekannt. Aber was bitte sind Bonschers?
    Viele Grüße
    Ann-Bettina

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  4. Jo. Auch ich bin krüsch und zieh ne Schnute, wenn ich nicht den Knust kriege.

    Wunderbar – obwohl: die meisten Begriffe – nö, eigentlich alle, nutze ich noch heute alltäglich. Naja, okay, Bonsche vielleicht nicht, weil ich kaum Bonsches esse, aber sonst … 🙂

    Liebe Grüße von einer Ur-Hamburgerin

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  5. Selbst für mich als Schwaben ist das Hamburger Platt alltag – meine Frau spricht das zwar nicht, aber Schwiegermutter und deren Familie. Plünn war eines der spaßigsten Worte die ich gerne gelernt habe, aber auch Puffer für einen Kuchen oder Feudel waren mir nicht geläufig. Inzwischen komme ich mit diesem sprachlichen Kleinod ganz gut zurecht, während meine Frau mit dem schwäbischen (z.B. „Witt a Brezg?“) keine Probleme mehr hat.

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    • Plünnkram ist super, hätte auch gut in meine Liste gepasst. Also Plünnkram im Sinne von billig verarbeiteter Schrott. Plünnen sind ja auch die Klamotten. Und Feudel – ganz weit vorn. War mir lange nicht bewusst, dass man das Wort anderswo nicht kennt. Da muss erst ein Schwabe kommen und mich auf so einen Miss-Stand hinweisen 😉 Danke dafür und viele Grüße

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  6. Was ein schönes Thema, das warme Erinnerungen weckt!

    Wenn wir Opa nach der Uhrzeit für unseren Besuch fragten, kam “ Dat kömmt auf einen Schnaps nich an. Müsst ihr mal mit Oma ausklabüstern (absprechen). Und bringt mal nicht so viel Gedöns (Sachen, Krams) mit. Das macht einen sonst ja ganz rammdösig (taumelig, durcheinander). Und macht mal sutsche (gemächlich) wir wolln´s doch kommodig (gemütlich) haben. Na gut, mein Deern, halt di fruchtig (machs gut)“

    Hach ja, ich mag diese Sprache auch sehr. Liebe Grüße aus dem hohen Norden ;o)

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    • Hihihi, holt di fruchtig ist wunderbar, Gedöns gehört auch zu meinem regelmäßigen – wenn nicht täglichen – Sprachgebrauch und sutsche ist ein Zauberwort allererster Kajüte. Kommodig war mir nicht sooo geläufig, gefällt mir aber sehr. Adoptiere ich direkt mal in meinen Sprachschatz. Liebe Grüße aus dem Norden rund um Hambburg. Wo ist denn der hohe Norden im Vergleich zu uns? 🙂

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      • Ach Gott ja, der „hohe Norden“ klang jetzt tatsächlich etwas missverständlich. Hatte dabei die vermeintlichen „südlicheren“ Mitleser/innen im Kopf.

        Nein, bin doch selbst eine Hamburger Deern…. aber immerhin aus dem Norden der Stadt … wenigstens das… hihi

        (… so´n Kuddelmuddel hier…) ;o)

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  7. Für Ann-Bettina: Bonschers ist die Mehrzahl von Bonbon, sacht man so in Preetz. 🙂
    Und wenn man ein plietschen Deern is, dann kriegt man welche. 🙂
    Torfnasen kriegen nix ab.

    Der Pümpel ist auch sehr schön …
    da kann man im Bad mit rumpütschern, aber nich luschern dabei. 🙂

    Und jetzt bin ich völlig geplättet und sach ma tschüß!

    Dat löpt sich ans torecht! (Das regelt sich schon von alleine)

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  8. Holt di fruchtig … wat hebt wi lacht.:-D 😀 😀

    Meines Erachtens heißt das in echt: Holt di fuchtig … also ohne „R“. Jedenfalls bi uns to huus.

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    • Dat gifft dat nich ….*staun*… es heißt tatsächlich „fuchtig“ (sagt auch Google) … Opa hat IMMER „fruchtig“ zu mir gesagt!

      ;o)))) den Wortwitz habe ich Dank Euch nun 30 Jahre später verstanden….
      … oder Opa hats nicht anders gekannt….

      … man ward ol as een Kauh un leernt jümmer wat tau

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  9. … jetzt lach ich mal die Antje an. 😀 😀

    Ist eine schöne Geschichte mit dem Wortspiel Deines Opas.

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  11. Pingback: Ich glaub mein Huhn gackert – Impressionen vom Schulbauernhof

  12. Pingback: So geht Norddeutsch – Teil 2

  13. Auch hier wunderbare Wörter, ich liebe es zu tüddeln, dazu gibt es bei mir auch einen wunderschönen zusammenhang :-). Übrigens hat meine Oma mich früher Schittbüddel genacht 😀

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  14. Rundstücke – Brötchen
    Huulbüssen – Staubsauger (Heulbesen)
    Karbonade – Kotelett
    Seutschnut – Naschkatze (Süßschnute)

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  15. Pingback: Bettina Querfurth: Wo bitte geht's zum Meer? Die ganze Wahrheit über Kreuzfahrten!

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