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Katze? Nichts für schwache Nerven

Wer schon öfter hier war weiß, dass ich die Katze als solche für eine enorme Bereicherung halte. Zahlreiche Texte bei nicmag belegen dies eindrucksvoll. Meine zwei sind nicht nur dekorativ (wie es einfach Katzen-Art ist), sondern auch auf unnachahmliche Art in der Lage, mir ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Sie sorgen regelmäßig dafür, dass ich mir eine Auszeit nehme und mich für ein paar Minuten entspanne. Meistens …

Bitte keine Katze, wenn Sie schwache Nerven haben!

Ich muss allerdings heute eine ganz klare Warnung aussprechen: Katzen sind absolut ungeeignet für Menschen mit schwachen Nerven! Nehmen wir zum Beispiel Sir Henry III., ja, dieser launige, kleine Kater aus dem Tierheim in Bad Oldesloe. Der war ja kürzlich ganze 2,5 Tage verschollen. Eine Nacht können wir damit gut umgehen. Er ist halt ein Katerchen (wenn auch ein kastriertes) und Katerchen schauen sich gern mal in der Nachbarschaft um. Tut seine schwarze Schwester natürlich auch. Allerdings bleibt sie nie so lange weg (bisher).

Bekannt wie ein bunter Hund Kater

Suchmeldung für Sir Henry

Suchmeldung für Sir Henry

Nun, nach zwei kompletten Tagen hatten wir dann doch Angst, unserem Sir Henry könnte etwas passiert sein. Wir fragten die Nachbarn, ob sie ihn gesehen hätten und plakatierten sogar die Straße mit Suchzetteln. Jetzt kennen wirklich ALLE in der Gegend Henry und sein charmantes Gesicht. Eine Nachbarin meldete sich sogar am nächsten morgen um 6 (in Worten SECHS) Uhr über facebook, sie hätte ihn gesehen. Da lag Henry längst wieder warm und trocken hier bei uns im Haus. Er war in der Nacht nach Hause gekommen. Einfach so. Unversehrt, extrem hungrig und furchtbar kuschelbedürftig. Wir haben bis heute nicht erfahren, wo er war und was er dort erlebt hat. Ich bin nur froh, dass ich überhaupt nicht zur Bildung grauer Haare neige. Sonst wäre ich nämlich allein an diesem Wochenende komplett ergraut.

Grenz- und Verletzungen aller Art

Chillen geht immer

Chillen geht immer

Es folgten ein paar Wochen relativer Ruhe. Man lag gern dekorativ in der Sonne, ließ sich kraulen und verbreitete Freude. Die beiden Hobby-Killer brachten auch kaum noch fremdes Getier (tot oder lebendig) mit nach Hause. Diese Art der „Gastfreundschaft“ hatte mich ja im Frühjahr ein paar Nerven gekostet. Wenn ich allein an Amsel Tom oder die süße Maus zurückdenke. Nein, man könnte sagen, wir hatten es einfach fein. Ein paar harmlose Jagdszenen mit den Katzen aus der Nachbarschaft gehören ja zum guten Ton. Da machen wir uns keine größeren Sorgen mehr. Frida, Gertrud und die anderen haben nicht immer Verständnis für den Entdecker-Geist von Sir Henry und Lil‘ Maunz Beatles. Grenz-Verletzungen müssen geahndet werden. Selbst an den komischen Typen, der hier ab- und zu erscheint, um unsere Näpfe leer zu fressen, haben wir uns irgendwie gewöhnt. Bzw. bleibt die Katzenklappe nachts jetzt einfach zu, weil er sonst einfach in die Küche marschiert.

Schutzlos, verletzt, klein …

Jetzt aber war es wohl an der Zeit für den nächsten Thriller. Lil‘ Maunz Beatles litt offensichtlich an Schmerzen. Wir merkten es, als sie ihre täglichen Streicheleinheiten bekam. Sie maunzte quasi den Satz: „Bitte nicht rechts hinten streicheln, aua …“ Nun, ein bisschen knurrte sie ihn sogar. Der Schmerz hielt sie allerdings nicht davon ab, schneller das Haus zu verlassen, als ich die Tür verriegeln konnte. Mit anderen Worten: Eine vermutlich verletzte Katze, MEINE vermutlich verletzte Katze schlich draußen umher. Schutzlos, klein … buuuuhuuuu

Die zart-besaitete Katzenhalterin (ich)

Äh, entschuldigung, ich nehme Haltung an. Zirka 12 Stunden später sah ich das kleine, schwarze Ding im Garten umherhumpeln. Ich rief sie, doch gegen ihre sonstige Gewohnheit kam sie nicht sofort angelaufen. Große Sorge (GROSSE SORGE). Ich – und jetzt kommen wir zum Thema – ich bin eindeutig zu zart besaitet für diese Art von Aufregung. Das hätte ich allerdings auch wissen können, BEVOR ich mir die zwei Mini-Tiger ins Haus geholt habe. Immerhin ist es offiziell, dass ich sogar beim Laterne-Laufen weine. Aber zurück zum verletzten Katzen-Tier. Es war Freitag-Abend. Da wartet der Tierarzt nicht mehr zwingend in seiner Praxis auf uns. Abgesehen davon saß das schwarze Maunz ja auch im Gebüsch und kam nicht freiwillig hervor. Selbst als ich sie mit Futter locken wollte, rührte sie sich nicht vom Fleck. Statt dessen kam die halbe Katzen-Nachbarschaft angerannt, weil sie auf Leckerlies hoffte. Na bravo. Eine gute Freundin, die zufällig zu Besuch war, brachte mich schließlich auf die Idee, einfach ins Gebüsch zu kriechen und mein Maunzgetier zu holen.

Tierarztbesuch am Freitag-Abend

halskrause

Halskrause – gar nicht schön

Großartige Idee. Sie machte nämlich keinerlei Anstalten wegzulaufen. Sie schien sogar froh, dass ich sie endlich retten kam. Der Rest ist halbwegs schnell erzählt: Wir lernten eine neue Tierarzt-Praxis in Hamburg-Stapelfeldt kennen. Die Veterinär-Medizinerin diagnostizierte eine entzündete Bisswunde (Frida? Gertrud? Der fremde Blödmann?). Maunz wurde gewogen (3,8 kg) und partiell rasiert. Sie bekam zwei Spritzen (Antibiotikum & Schmerzmittel) und eine Halskrause … Und auch noch den Kommentar: „Wer hinten eine Bisswunde hat, gehört zu den Feiglingen. Die Mutigen werden vorn gebissen …“ Ich schwöre, das hat die Tierärztin gesagt! Feigling? Feigling! Pfff – Wenn man nur halb so groß ist wie alle anderen, finde ich es ja durchaus clever, wegzulaufen und nicht in die Schlacht zu ziehen. Aber gut. Die Frau war sonst wirklich nett. Ich will nicht so sein. Schließlich bekam sie noch 85 Euro von uns – Notdienst hat halt seinen Preis – und wir zogen von dannen. Erleichtert, dass nichts Schlimmeres passiert ist.

Schreib-Hilfe

Schreib-Hilfe

Das Ganze ist jetzt zirka 12 Stunden her. Dem schwarzen Ding geht es deutlich besser. Kaum hatte ich angefangen, diesen Text zu schreiben, kam sie auch schon herbeigeeilt, um zu helfen. Ich habe den Schreck einigermaßen verdaut. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass Katzen nichts für schwache Nerven sind. Also: Finger weg von sogenannten Samtpfoten, wenn sie eher der Typ emotionales Weichei sind! Wie sagte die kluge Birga Dexel damals zu mir: „Kleine Katzen sind nicht anders als große (Tiger, Löwen). Raubtiere eben.“ Und die würde sich ja auch kaum jemand ins Haus holen. Da war es allerdings längst zu spät. Und wenn ich ehrlich bin, hätte ich mir vermutlich trotzdem eine (nein zwei) angeschafft. Immerhin inspirieren die zwei zu wunderbaren Texten. Aber ich könnte auch ganz gut damit leben, wenn wir es dauerhaft etwas ruhiger hätten.

Bitte keine Plastik-Halskrause mehr!

Übrigens: Die sperrige Plastik-Halskrause habe ich nach zirka 10 Minuten abgebaut. Das kann man jetzt für unverantwortlich halten. Aber DIE hätte mir endgültig den Rest gegeben. Eine völlig verstörte Katze, die nicht in gewohnter Weise sehen, hören und wahrnehmen kann und spätestens nach zwei Tagen depressiv wird, hätte mir das Herz gebrochen. Plastik-Halskrausen sind grausam, bzw. krausam. Zum Glück ist die Wunde klein und selbst für eine Katze an nicht soooo optimal erreichbarer Stelle. Ich hoffe einfach mal darauf, dass sie sich dort keinen Schaden zufügt. Und für den nächsten Fall der Fälle besorge ich mir etwas anderes. So in der Art wie es in diesem Shop angeboten wird. Damit kommen Tiere offensichtlich deutlich besser zurecht als mit einem umgedrehten Lampenschirm am Hals. Wenn man sowas im Haus hat, funktioniert es sicher wie mit einem Regenschirm. Es regnet einfach nicht, bzw. bleiben wir dann von Verletzungen verschont. In diesem Sinne: entspanntes Wochenende allerseits!

henry

Veröffentlicht von

Nic arbeitet seit Anfang der 90er Jahre als Journalistin für diverse große Zeitschriften. Nic mag ihren Job und liebt Geschichten über Menschen aller Art. NicMag gibt diesen Geschichten jetzt auch virtuell Raum. Und bietet somit die Möglichkeit, auch über Hintergründe und Themen zu schreiben, für die im Print nicht immer genug Platz war und ist.

11 Kommentare

  1. Hallo Nic,
    aufregende Tage, aber zum Glück ist es ja gut ausgegangen. So ist das eben, wenn man sich Tiere anschafft 🙂
    Diese Art Schwimmreifen als Halskrause sieht wirklich relativ bequem für das Tier aus. Aber ob der den Krallen von Hund oder Katzen lange widerstehen kann? Ich habe da so meine Zweifel.
    Wünsche deiner Stubentigerin gut Besserung.
    Ann-Bettina

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    • Dank dir, Ann-Bettina! Wir werden zu gegebener Zeit (hoffentlich nicht) rausfinden, ob dieser Schwimmreifen was taugt 😉

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  2. Katzen sind hübsch, süß, total toll und dennoch nichts für mich. Ich würde bei einem Freigänger (und das würde ich dann einer Katze schon bieten wollen) tausend Tode sterben und nachts kein Auge mehr zumachen können. Andererseits muss ich gestehen, ich war wegen Bisswunden mit meinem Hund auch schon beim Tierarzt. Natürlich zum Feiertagstarif 😉
    Schade, dass ich hier kein Bild hoch laden kann; sonst würde ich Dir zeigen wie ein Hund mit Ohrwunde und Strumpfhose auf dem Kopf aussieht…

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    • Ich kann absolut verstehen, wenn jemand lieber Hunde hält. Ich leide auch an chronischem Schlafmangel, seit die zwei Hobby-Killer hier eingezogen sind. Zuerst hat Nr. 1 sich nachts gelangweilt und mich in den frühen Morgenstunden durch zärtliches Naseknabbern geweckt. Jetzt ist hier ein Kommen und Gehen, dass mich fertig macht. Und ewig diese Sorgen. Der Elvis (Hund) ist da ganz anders. Der weicht nicht von unserer Seite. Aber ein Leben ohne Katze ist eben auch sinnlos 😉 Das Foto möchte ich bitte UN-BE-DINGT sehen. Link? Facebook? email??? Ich bin offen für alles 🙂

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  3. Oh je, Katze! 😉 Dann mal gute Besserung! Wie neulich schon festgestellt: Sie sind ja toll, aber manchmal brechen sie einem auch das Herz <3
    Liebe Grüße!
    Inga

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    • Sie sitzt schon wieder regelmäßig vor der Tür und verlangt nach Auslass … aber da bleibe ich noch ein bisschen hart. Zumal sie sich dann auch wieder irgendwo unter ein Bett zurückzieht. Offensichtlich doch traumatisiert. Es ist zum Mäusemelken mit den elenden Herzensbrechern <3

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  4. Ich lach mich weg und kann so gut nachempfinden. Wir haben unsere, nachdem der Beckenbruch ziemlich überstanden ist, auch noch kastrieren lassen. Nochmal Halskrause! Das Katzentier war verzweifelt: Jetzt fängt der Mist wieder an. Ich hab auch nach kurzer Zeit nachgegeben und die krausame Halskrause entfernt. Inzwischen ist alles überstanden. Katzen wissen schon, wie Wundbehandlung geht.
    Ich möchte meine Bande nicht mehr missen. Allerdings stimme ich zu, Katzen sind nichts für schwache Nerven. Man muss sich einfach klar machen, dass eine ausgewachsene Katze die Verantwortung für sich selbst übernimmt und kein Kleinkind bleibt. Meistens jedenfalls. Dann gehts besser.
    Schöne Grüße, Johanna

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    • Oh je, ein Beckenbruch ist ja viel krausamer als es jede Halskrause oder Bisswunde sein könnte … die Arme. Bei der Kastration brauchte unsere keine Krause. Keine Ahnung, ob der Tierarzt da einfach lässiger war. Das ist auf jeden Fall ein Thema, das mich so schnell nicht wieder loslässt. Ich habe selten etwas krausameres gesehen als das arme Katzengetier völlig verstört mit dem Lampenschirm. Das möchte ich nicht …
      Schöne Grüße zurück 🙂

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