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Die Sache mit dem Sportabzeichen

Tag drei meiner Mai-Challenge und ich habe eine echte Perle des Archivs rausgekramt: nic testet das deutsche Sportabzeichen. Ist schon zwei Jahre alt, aber ich denke gern und oft daran zurück und muss jedes Mal grinsen, wenn ich an die verzweifelten Gesichter meines Prüfer-Pärchens zurückdenke. Das waren so Leute, die seit Jahrhunderten im Dienste der Leichtathletik stehen und nur begrenzt Verständnis für Typen wie nic aufbringen. Und so lief das Ganze ab:

Schnelligkeit

Laufen – da gibt es nichts zu beschönigen – war noch nie meine Stärke. Man könnte auch sagen: an Land bin ich die totale Wurst. Im Wasser ist das ganz anders. Aber das interessiert beim Sportabzeichen ja nur bedingt. Es geht auch um Vielseitigkeit und so muss ich wenigstens einmal auf die verhasste Tartanbahn. Ich kann zwischen 50 m (9,2 Sek.), 100 m (18,5 Sek.) und 1000 m (6:40 Min.) wählen. Theoretisch wäre auch Inline-Skaten möglich gewesen, aber ich stelle mich der laufenden Herausforderung. Schnell wird klar: Mein Plan, die Strecke so kurz wie möglich zu halten, geht nicht auf. Mit 41 Jahren ist mein Sprintvermögen offensichtlich noch schlechter als zu Schulzeiten. Also wage ich mich an die zweieinhalb Runden auf der 400-m-Bahn. Sie erscheinen mir endlos – als der Prüfer am Ende der zweiten Runde resigniert mit dem Kopf wackelt, bin ich kurz davor aufzugeben. Irgendwie kämpfe ich mich dann doch ins Ziel. Mit Erfolg: Willi Steineckers Uhr stoppt bei 6:06 Min.

Schnellkraft

Hier habe ich die Wahl zwischen Kugelstoßen (4 kg/6 m), dem Schlagball (80 g/31 m) oder einem Wurfball (200 g/24 m). Sollte ich keine dieser Disziplinen schaffen, kann ich auch noch auf 100 m Schwimmen (2:30 Min.) oder eine Turnübung am Reck ausweichen. Ich bin aber optimistisch. Immerhin hab ich fleißig mit dem Hund trainiert. Als erstes versuche ich mich im Kugelstoßen. Daran hab ich noch dunkle Erinnerungen aus meiner Schulzeit. Vier Kilo sind aber dann doch ganz schön schwer. Und so bleibt die Kugel – bei allem Spaß – knapp 70 cm zu früh liegen. Also doch der Ball. Der Prüfer gibt mir noch Tipps für die Technik (langer Arm, wie beim Speerwerfen), und – yeah – ich werfe den Ball 24,50 m weit. Wie sag ich immer so schön: Ein gutes Pferd springt nicht höher als es muss 😉

Sprungkraft

Hoch oder weit ist hier die Masterfrage – ich hab allerdings bei beidem massive Zweifel. Ich würde lieber auf eine Turnübung ausweichen. Doch in Hamburg sind Ferien und die Turnhallen geschlossen. Ab in die Sandkiste heißt es also, denn schon beim Gedanken an Hochsprung muss ich lachen – im Leben nicht!!! Der erste Versuch ist ernüchternd. Ich habe Angst, auf der nassen Bahn auszurutschen, springe schlappe 2,40 m. Die Prüfer leihen mir ein paar Schuhe mit Spikes, das sorgt für mehr Halt. Trotzdem schaffe ich nur 2,80 m statt der vorgegebenen 3 m … Ich hab ja gleich geahnt, dass das keine gute Idee ist.

Schwimmen / Ausdauer

Als wir endlich vom Sportplatz ins Schwimmbad wechseln, schlägt meine große Stunde. Ich habe so lange Wasserball gespielt, dass ich die vorgegebenen Zeiten auch ohne großes Training schaffen sollte. Erst die 200 m-Strecke, die die allgemeine Schwimmfähigkeit nachweisen soll. Neun Minuten sind erlaubt, ich brauche 4:12 Min., merke allerdings, dass mir Laufen, Springen und Werfen ganz schön in den Knochen stecken. Zum Abschluss steht dann der 1000-m-Ausdauertest auf dem Programm. Meine Zeit: 22:26 Min., erlaubt wären 31 Min.. Hier wären auch Laufen oder Radfahren möglich gewesen.

Happy End

Der aufmerksame Leser wird es gemerkt haben: Als die Geschichte in der FUNK UHR erschien, konnte ich leider (noch) kein Erfolgserlebnis vermelden. Fand ich auch nicht weiter schlimm. Schließlich ging es ja vor allem darum, zu zeigen, dass das alles gar nicht so einfach ist. Der kleine Ehrgeiz in mir wollte es aber natürlich wissen. Einige Wochen nach dem Kampf auf dem Sportplatz, fand ich doch noch eine Prüferin, die mir den Sprungkraft-Test am Kasten ermöglichte. Anlauf, drüber, fertig … ich wusste es ja von vornherein. Und so bekam ich am Ende doch noch mein Sportabzeichen.

Fazit

Es war eine ganz schöne Herausforderung, hat aber auch ein bisschen Spaß gemacht. Seitdem habe ich allerdings nicht mehr das Bedürfnis verspürt, es zu wiederholen.sportabzeichen neu Inzwischen sind die Anforderungen auch verändert worden. Wenn ich mir das so anschaue, könnte ich es vielleicht doch nochmal versuchen. Das scheint machbar … Vielleicht ist da draußen ja irgendjemand, der Lust hat, es mit mir zusammen anzugehen? Bis dahin gehe ich weiterhin ab- und zu mal schwimmen, ansonsten geht’s zum Sport in mein Fitness-Studio, das ist bekannt. Allerdings hab ich auch noch ein neues Hobby für mich entdeckt: Garten-Mehrkampf: Laub harken, Unkraut zupfen, Hecke schneiden, Rasen mähen … Und genau dem werde ich mich jetzt widmen 🙂

Alle Infos zum Sportabzeichen gibt es auf der Homepage des deutschen olympischen Sportbundes – Die persönlichen Anforderungen kann jeder selbst auf dieser Seite anschauen

In diesem Sinne: sportliches Wochenende allerseits 🙂

Veröffentlicht von

Nic arbeitet seit Anfang der 90er Jahre als Journalistin für diverse große Zeitschriften. Nic mag ihren Job und liebt Geschichten über Menschen aller Art. NicMag gibt diesen Geschichten jetzt auch virtuell Raum. Und bietet somit die Möglichkeit, auch über Hintergründe und Themen zu schreiben, für die im Print nicht immer genug Platz war und ist.

4 Kommentare

  1. Das erinnert mich an meine erste Teilnahme an den Bundesjugendspielen in der Grundschule. Klein-Marco hat damals keine Urkunde bekommen, weil er zu schlecht geworfen hat. Määäääääääh……

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    • Hihihi, das war vom Gefühl her auch so ähnlich. Diese strengen Prüfer und mein Leichtathletik-Trauma auf einem Platz 😉 War sehr froh, dass ich wenigstens beim Schwimmen glänzen konnte!

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