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Nic malt selbst – renovieren leicht gemacht

Zum Thema Handwerker kann wohl jeder – also ausnahmslos jeder – launige bis tief-deprimierende Anekdoten zum Besten geben. Wer dabei selten gut weg kommt, sind die Handwerker …

Und das leider oft aus gutem Grund. Ich habe ein Faible für Handwerker, bzw. handwerkliche Tätigkeiten. Schreiben ist eine schöne Sache, allerdings doch oft sehr vergänglich. Getippt, gedruckt, überblättert, vielleicht sogar gelesen – ab ins Altpapier damit. Häuser bauen ist etwas für die Ewigkeit – naja, zumindest etwas für die nächsten Jahrzehnte. Problem: Es gibt wirklich nur wenige Handwerker, die sowohl etwas von ihrem Handwerk verstehen, als auch von Dingen wie Zuverlässigkeit, oder gar selbstständigem Denken.

Zweifelhafte Klempner

Wenn ich nur an den Klempner zurückdenke, der beim Bau meines ersten Hauses Woche für Woche in unserem Bauwagen saß und jeden Freitag ein freundliches Bier auf unsere Kosten zu sich nahm. Als dann sein großer Auftritt als Klempner anstand, arbeitete er rund zwei Vormittage und verließ dann fluchtartig das Ambiente, sein Werkzeug durften wir behalten. Ein Abgang, der vermutlich besser für uns und das Haus war, ein paar Fragen ließ er irgendwie trotzdem offen.

Wer streicht die Fassade?

Doch zur eigentlichen Geschichte: Anfang 2013 entschloss ich mich, ein kleines, altes Häuschen zu kaufen. Charmant aber – Sie ahnen es schon – es gab und gibt einiges zu renovieren, um es vorsichtig auszudrücken. U. a. brauchte es einen Rundum-Anstrich, innen wie außen. Mit Malern hatte ich bis dahin Erfahrungen gemacht, die sich vorsichtig mit „es geht so“ umschreiben lassen. Wobei jeder von ihnen seine Qualitäten hatte. Leider vereinte keiner sie alle.

Zeit für einen neuen Anstreicher

Ich entschied mich, einen ganz neuen Anstreicher in mein Leben zu lassen. Diesmal wollte ich mich nicht auf persönliche Empfehlungen oder Mund-zu-Mund-Propaganda verlassen. Moderne Frauen beschreiten moderne Wege. Das Internet-Portal www.my-hammer.de bekam den Zuschlag. Es gibt zwei Wege, dort den passenden Handwerker zu finden. Entweder erstellt man eine Art Auktion und wer den günstigsten Preis für die zu leistenden Arbeiten abgibt, erhält den Zuschlag. Es ist aber auch möglich, einfach nach Handwerkern in der näheren Umgebung zu fahnden. Variante A birgt  natürlich ihre Tücken. Grundsätzlich sollte gute Arbeit auch angemessen bezahlt werden. Und je billiger eine Arbeit angeboten wird, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass auch das Ergebnis billig wird …

Kompetenter Eindruck

Also suchte ich nach einer eingetragenen Maler-Firma in meinem Ort, die gute Bewertungen vorzuweisen hatte. Der Maler, dessen Namen ich bei Bedarf gern per Mail verrate, kam höchstmotiviert noch am selben Nachmittag vorbei, um sich die Sache anzuschauen. Alles, was er zum Thema Fassade zu sagen hatte, machte einen kompetenten Eindruck. Meine Idee, die hochwertigen, aber schon recht alten Textiltapeten im Wohnbereich einfach überzustreichen, fand er grundsätzlich nicht verkehrt. Allerdings könne es passieren, dass diese sich beim Überstreichen von der Wand lösen, deshalb wolle er dies erst in einer Ecke des Wohnzimmers austesten und bei Bedarf dann doch lieber neu tapezieren.

Ein kluger Hinweis, der ihn allerdings die Hälfte des Auftrags kosten sollte. Als Frau der Tat hatte ich nämlich keine Geduld und startete diesen Test einfach in Eigenregie.

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Und siehe da: Die Textiltapete blieb brav an Ort und Stelle. Aus einem Eckchen wurde eine Wand, aus einer Wand wurde ein Zimmer. Vor der Decke hatte ich allerdings – in Hinblick auf meine handwerklichen Talente  zunächst Respekt. Zunächst …

Selbst ist die Frau …

Ich arbeitete mich tapfer in den nächsten Raum weiter, Fußböden schön abgedeckt, und es landete deutlich mehr Farbe an den Wänden als auf mir. Irgendwie geriet ich wohl in eine Art Rausch. Mit anderen Worten: Fünf Wohnräume, zwei Bäder, eine Küche, diverse Kellerräume und das Treppenhaus nahmen Farbe und Gestalt an. Und natürlich pinselte ich auch die Decken.

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Doch zurück zu meinem Maler. Er hatte in der Zwischenzeit ein Angebot erstellt und schluckte sogar die Tatsache, dass er nur noch die Hälfte der Arbeiten ausführen sollte. Nach dem langen und kalten Winter, konnte er es kaum erwarten, loszulegen. Als zumindest endlich kein Frost mehr zu erwarten war, rückte er mit einem stattlichen Trupp von Helfern an, die sich an meiner Fassade zu schaffen machten. Abkleben, Grundieren – es ging flott voran und ich war begeistert. Dann allerdings wurde ihm seine Motivation – oder nennen wir es den Wunsch danach, die Ausfälle des Winters finanziell wieder reinzuholen – zum Stolperstein.

Es läuft nicht so optimal

Mitten im ersten Anstrich begann es, wie vorhergesagt, zu regnen. Traurig tropfte die weiße Farbe auf die roten Steine im Sockelbereich des Hauses. Verzweifelt schrubbten seine Leute die stetig nachlaufende Farbe von den Steinen – mit mäßigem Erfolg.

In den nächsten Tagen entwickelte sich unser Verhältnis nicht zum Vorteil. Herr Maler wollte Geld, ich einen sauberen Sockel. In seiner Verzweiflung bot er mir an, den Sockel auf seine Kosten zu streichen, in einer Farbe meiner Wahl. Wollte ich aber nicht, schließlich ist ein Sockel in Rotklinker mehr oder weniger wartungsfrei. Streicht man ihn einmal über, muss das immer wieder passieren und  hübscher wird es auch nicht zwingend. Schlussendlich trennten wir uns im Guten. Er bekam sein Geld, ich eine ordentliche Fassade und ein paar Erinnerungsflecken im Verblend-Bereich, aber auch meine Ruhe.

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Wieder beauftragen möchte ich ihn nicht wirklich. Statt dessen wird das Haus irgendwann ohnehin gedämmt werden müssen. Meine Idee: Ich lasse einen Verblend davor mauern, und brauche für den Rest meines Lebens keinen Maler mehr an der Fassade.

Im Inneren des Hauses ist natürlich auch nicht alles perfekt geworden. Mit dem Unterschied, dass ich hier immer voll Stolz sagen kann: Das habe ich ganz allein geschafft!!

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Veröffentlicht von

Nic arbeitet seit Anfang der 90er Jahre als Journalistin für diverse große Zeitschriften. Nic mag ihren Job und liebt Geschichten über Menschen aller Art. NicMag gibt diesen Geschichten jetzt auch virtuell Raum. Und bietet somit die Möglichkeit, auch über Hintergründe und Themen zu schreiben, für die im Print nicht immer genug Platz war und ist.

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